Quo vadis Messdienstleister, Teil 3

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Die in Deutschland bedeutendsten Messdienstleister, brunata-Metrona, Ista, Kalorimeta, Minol und Techem bewegen in der Wohnungswirtschaft die bereiche Smart Meter, Energieeffizienzsteigerung, Digitalisierung, Automatisierung, Vernetzung bis hin zur Einrichtung und Steuerung von klimaintelligenten Gebäuden und der Unterstützung der Verkehrswende. Ein breites Feld, das die fünf Unternehmen unterschiedlich angehen. In unserer dreiteiligen Serie haben die Unternehmen Stellung bezogen. In dieser Aufgabe geht es auch um die politischen Gegebenheiten bei der Energiewende und Klimaschutz. Wer die bereits veröffentlichten Beiträge nachlesen möchte, findet sie auf immoclick24.de.

Die Befragung der Unternehmen fand im Mai 2019 statt.

Brunata-Metrona
Neben dem Ziel, den Energieverbrauch zu reduzieren, verfolgt die Politik im Immobiliensektor auch die Absicht, geeignete Rahmenbedingungen für bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die zunehmende Verschärfung der Bauvorschriften im Rahmen der EnEV erzeugt einen abnehmenden Grenznutzen, das heißt jede weitere Energieeinsparung erfordert höhere Investitionen. Neue Wohnungen werden dadurch so teuer, dass entweder sehr hohe Mieten verlangt werden müssen, oder dass Neubauten schlicht unrentabel werden. Gleichzeitig zeigen die realen Verbrauchsdaten, die wir im Rahmen unseres Kerngeschäfts millionenfach erheben, dass die prognostizierten Einsparungen deutlich verfehlt werden.

 

Ista
Von Fehlern möchten wir nicht sprechen. Wir wünschen uns aber, dass Deutschland wieder ein Vorreiter beim Klimaschutz wird. Laut dem Immo-Energiewende-Index bewerten 77 Prozent der befragten Top-Manager den Stand der Gebäude-Energiewende negativ. Grund dafür sind die unklaren politischen Rahmenbedingungen. Gesetzesentscheidungen sollten nicht wie jüngst beim Gebäudeenergiegesetz (GEG) auf die lange Bank geschoben, sondern zügig getroffen werden, damit die Unternehmen Planungs- und Investitionssicherheit haben. Die Wirtschaft ist bereit, einen Beitrag zu leisten. Eine sozial gerechte CO2-Bepreisung ist ein Kernelement, um Klimaschutz volkswirtschaftlich sinnvoll und Technologie offen voranzutreiben. Eine steuerliche Förderung von Effizienzmaßnahmen sollte dies ergänzen.

 

Kalo
Die Bundesregierung hat sich dem internationalen Zwei-Grad-Ziel und dem nationalen Klimaschutzplan 2050 verpflichtet. Doch um die gesetzten Ziele zu erreichen, muss im Immobilienbereich neben der energetischen Modernisierung der Gebäudehülle und Energietechnik auch verstärkt auf Maßnahmen aus dem geringinvestiven Bereich gesetzt werden. Nur so wird die Diskussion um das Investor-Nutzer-Dilemma entschärft. Dabei ist im geringinvestiven Bereich der CO2-Vermeidungshebel je investiertem Euro häufig ungleich größer, die Investitionslast für Gebäudeeigentümer und Mieter bei gleichem Klima-Nutzen also geringer. Um dieses Potenzial besser erschließen zu können, müssen in der Gesetzgebung flankierend Anpassungen vorgenommen werden, um zusätzlich verstärkt Investitionsanreize in diesem Bereich zu setzen.

 

Minol
Die Energiewende ist in der öffentlichen Wahrnehmung zu stark auf die Sparte Strom fokussiert. Dabei machen Wärme und Warmwasser mehr als drei Viertel des Energieverbrauchs in Privathaushalten aus. Durch den Fokus auf die Gebäudequalität (Wärmedämmung, Fenster, technische Anlagen) wurde das Verbrauchsverhalten der Bewohner zu wenig berücksichtigt. Auch bei optimaler Gebäudeeffizienz brauchen die Bewohner Anreize, um Energie zu sparen – und die Politik ist gefordert, diese Anreize zu schaffen.

 

Techem
Nach wie vor haben wir kein schlüssiges Konzept, wie der Gebäudebestand energetisch saniert werden kann. Gerade hier liegt aber ein großes Potential für CO2-Einsparungen. Die Politik muss hier so schnell wie möglich Antworten geben. Derzeit fehlen sowohl für die Wohnungswirtschaft als auch für die Hersteller und Anbieter von energetischen Produkten klare Vorgaben, was auf politischer Ebene gewollt wird. Bestes Beispiel ist die nun über zwei Jahre lange Diskussion um ein Gebäudeenergiegesetz. Auch vermisst man steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für die Sanierung, die angekündigt, aber doch nicht eingeführt wurden. Da keine Planungssicherheit gegeben ist, zögern Eigentümer notwendige Investitionen hinaus.

 

Brunata-Metrona
Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die zusätzliche Energieeffizienz nicht auf Kosten der Bezahlbarkeit erzielt wird. Aus unserer Sicht liegt der Schlüssel zu mehr Energieeffizienz im Verhalten der Gebäudenutzer. Um dieses zu beeinflussen, ohne das Wohnen unverhältnismäßig zu verteuern, gibt es zwei Hebel: Zum einen kann der Verbraucher durch gezielte Informationen dazu bewegt werden, sein Verhalten zu verändern (Nudging). Dies kann beispielsweise durch unterjährige Verbrauchsinformation geschehen, wie sie durch die Energieeffizienz-Richtlinie (EED) der EU geplant ist. Zum anderen kann eine intelligente Heizungssteuerung deutliche Effizienzsteigerungen ohne nennenswerte Komforteinbußen zu relativ geringen Kosten realisieren.

Ista
Die Politik muss monetäre Anreize für Vermieter und Mieter schaffen, Energie einzusparen. Die CO2-Abgabe könnte ein solcher Anreiz im Gebäudesektor sein. Die Maßnahme muss sozial verträglich sein. Die Basis dafür ist zeitnahe Transparenz über den eigenen Verbrauch. Wer weiß, was er verbraucht, kann sein Nutzerverhalten optimieren. Nur so ist eine CO2-Abgabe tatsächlich fair und vermittelbar. Eine Umfrage von You-Gov und Ista zeigt: Über zwei Drittel der Deutschen wünschen sich eine solche zeitnahe Transparenz. In Mehrfamilienhäusern ist die erforderliche Technik oftmals bereits vorhanden. Die Politik ist gefragt, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Verbrauchstransparenz im Sinne von Mietern, Vermietern und Umwelt zu erhöhen.

Kalo
Aufgrund der Entwicklung der Wohnkosten, insbesondere in den Metropolregionen, gilt es mit jedem Euro, den wir für den Klimaschutz einsetzen, die maximale CO2-Ersparnis zu erreichen. Daher spricht einiges dafür, gemäß dem Ansatz von Kalo und der Noventic Group, eine klimaintelligente Steuerung von Immobilien auf Basis bestehender Infrastrukturen im Gebäude voranzutreiben, die nur geringe Neuinvestitionen benötigt. Um dies zu unterstützen, ist der Gesetzgeber gefordert. Dieser hat der Umlage von Betriebskosten für die klimaintelligente Steuerung bislang enge Grenzen gesetzt. Was den Mieter schützen soll hilft aber tatsächlich weder ihm noch dem Klima. Denn die höheren Kosten für die Steuerung können durch die Effizienzgewinne mehr als ausgeglichen werden. So sinken die Betriebskosten unter dem Strich sogar. Um dieses Potenzial zu nutzen, ist die Politik dringend aufgefordert, die gesetzlichen Vorgaben sinnvoll anzupassen.

Minol
Ein guter Ansatz für gesetzliche Rahmenbedingungen ist die konsequente und rasche Umsetzung der novellierten EU-Richtlinie zur Energieeffizienz in Gebäuden in deutsches Recht. Noch sinnvoller als gesetzlicher Druck wäre die finanzielle Förderung von Wohnungsunternehmen und Verwaltern, die die Energieeffizienz in ihren Immobilien vorantreiben wollen – zum Beispiel Förderung von Energiemonitoring, regelmäßigen Verbrauchsinformationen für die Mieter und Investitionen in Elektromobilität.

Techem
Die zügige Verabschiedung des Gebäudeenergiegesetzes sollte einhergehen mit der Umsetzung der europäischen Vorgaben aus dem Energiepakt „Saubere Energie für alle Europäer“. Gleichzeitig sollte stärker als bisher auch auf geringinvestive Maßnahmen abgestellt werden. Diese sind kostengünstig, bieten aber großes Potenzial bei der Energieeinsparung. Stärker als bisher sollte auch ein ganzheitlicher Ansatz bevorzugt werden, statt nur auf einzelne Bereiche abzustellen. So laufen viele Heizungen noch immer nicht effektiv und verbrauchen damit zu viel Energie. Bessere Kontrolle, teilweise digital und automatisch, bietet hier großes Potenzial, das auch kostengünstig umgesetzt werden kann. Gleichzeitig sollte die Wärmewende technologieoffen angegangen werden. Verbote bestimmter Technologien sind hier kontraproduktiv. Außerdem sollten steuerrechtliche Anreize geschaffen werden. Die Förderung muss einfacher und transparenter für den Anwender werden.

 

Brunata-Metrona
Wir stehen unseren Kunden regional vor Ort zur Seite und kümmern uns persönlich und kompetent um aktuelle Effizienzthemen. Mit den fernablesbaren Geräten des Funksystems von Brunata-Metrona sind unsere Kunden bereits heute für die Anforderungen der EED gerüstet. Wir arbeiten laufend daran, Geräte und Funksystem weiterzuentwickeln und neue technische Features zu integrieren.
Gemeinsam mit Partnern aus der Forschung und aus der Wohnungswirtschaft entwickeln und erproben wir aktuell Konzepte zur intelligenten Heizungssteuerung, mit denen sich der Heizenergiebedarf deutlich reduzieren lässt. Um nachhaltig Effizienzsteigerungen zu erzielen, sind ganzheitliche Konzepte gefragt. Deshalb streben wir Kooperationen an, die die gesamte Wertschöpfungskette abbilden. Die Digitalisierung spielt uns dabei in die Karten, denn unsere internen Prozesse sind bereits hochgradig automatisiert. Wir werden uns zukünftig noch enger mit der Wohnungswirtschaft vernetzen, um deren Bedürfnisse genau zu verstehen und daraus neue Dienstleistungen abzuleiten.

Ista
In Deutschland lesen wir die Wärmedaten bereits in zwei Millionen Wohnungen voll automatisch aus der Ferne ab. Insgesamt müssen wir nur noch jedes zweite Gebäude für die Ablesung betreten. Damit sind wir beim Thema digitale Funkauslesung führend. Diese technologische Vorreiterrolle wollen wir ausbauen und auf unserer digitalen Infrastruktur weitere Mehrwertdienste anbieten, wie etwa die zeitnahe Verbrauchsinformation. Vorausgesetzt Eigentümer und Bewohner stimmen zu, wäre dies leicht umsetzbar. Ein dreijähriges Modellprojekt zeigt: Bewohner, die monatlich über ihren Verbrauch informiert werden, sparen durchschnittlich etwa zehn Prozent ihres Verbrauchs ein. Bereits ab Einsparungen von drei Prozent machen die Bewohner ein finanzielles Plus. Sollte eine CO2-Abgabe kommen, würde sich der sorgsame Umgang mit Energie erst recht lohnen. Weitere Potenziale sehen wir im ganzheitlichen Gebäudeenergiemanagement, zum Beispiel durch die Optimierung der Heizungseffizienz. Auch hier gilt es, Transparenz über die tatsächliche Wärmeleistung zu schaffen und diese zu optimieren. Grundsätzlich werden die Prozesse im Gebäude für Mieter, Vermieter und Dienstleister, beispielsweise durch digitale Plattformen, auf die alle Beteiligten Zugriff haben, neu orchestriert werden. Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das weniger Komplexität und Aufwand als heute. Zugleich kommen neue Anwendungsfälle und Geschäftsmodelle hinzu. Hier wollen wir als digitaler Vorreiter unseren Beitrag für unsere Kunden und deren Mieter leisten.

Kalo
Kalo ist der führende Partner für die klimaintelligente Steuerung von Immobilien und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur CO2-Einsparung in Gebäuden und somit zum Klimaschutz. Ähnlich wie bei der Einführung der Heizkostenverordnung gilt es heute, mit den technischen Möglichkeiten der Zeit, dem Nutzer seinen Verbrauch transparenter zu machen, um ihm die Möglichkeit zu geben, sein Verbrauchsverhalten zu optimieren. Diesen Ansatz verfolgt auch die Mieter-App Cards, die Verbräuche verständlich visualisiert und auf unterschiedliche Motivationsansätze zurückgreift, um Wohnungsnutzer zu einem effizienteren Verbrauchsverhalten anzuregen und somit Energie und Kosten zu sparen.
Darüber hinaus liefert Kalo die nötige digitale Infrastruktur, um für eine optimale Steuerung von Heizungs- und Energieanlage zu sorgen. Denn trotz Einsatz neuester, klimafreundlicher Technik wie Gasbrenn wertkesseln und hochmodernen Wärmepumpen wird das volle Effizienzpotential dieser Anlagen selten ausgeschöpft. Die Steuerung mittels intelligenter Algorithmen ermöglicht hier deutliche Effizienzstei gerungen. Die dafür nötigen geringinvestiven Maßnahmen tragen zur Erfüllung der Klimaschutzziele bei, ohne Wirtschaftlichkeit und bezahlbaren Wohnraum aus dem Blick zu verlieren.

Minol
Minol trägt durch Innovationen wie die IoT-basierte Fernablesung selbst zu mehr Energieeffizienz bei: Dadurch, dass kein Ableser mehr zu den Gebäuden fahren und vor Ort auch keinen Parkplatz suchen muss, haben wir mit jeder ausgestatteten Liegenschaft CO2 eingespart. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist die Zeiteinsparung, die wir unseren Kunden schenken. Als langjähriger Anbieter von Energiekostenabrechnungen hat Minol viel Erfahrung damit, was Gebäude – unabhängig vom theoretisch errechneten Energiebedarf – tatsächlich verbrauchen. Dieses Wissen bringen wir in die Zusammenarbeit mit den Verbänden der Wohnungswirtschaft und mit Institutionen wie der DGNB mit ein. Der Großteil unserer Dienstleistungen ist darauf ausgerichtet, die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen, indem wir die Verbrauchsmuster für die Bewohner transparent machen. Mit Minol Drive – powered by GP Joule Connect tragen wir zudem unseren Teil dazu bei, die Verkehrswende, die direkt die Energiewende beeinflusst, nach vorne zu treiben.

Techem
Techem versteht sich als Energiedienstleister, der eine ganzheitliche energetische Gebäudeoptimierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette anbietet. Wir bieten von der Wärmelieferung über das Betreiben und Warten der Heizung und den hydraulischen Abgleich auch smarte Lösungen in den Wohnungen, die ein hohes CO2-Einspar-Potenzial haben. Mit unserer neuen Lösung Smart Monitor setzen wir außerdem technologische Standards, um den digitalen Heizungskeller auch im Anlagenbestand von Mehrfamilienhäusern zu ermöglichen. Denn fehlerhafte Einstellungen an Heizungsanlagen verursachen deutschlandweit Unmengen an unnötig verbrauchter Energie und unnötig erzeugten CO2-Emissionen. Mit einer kontinuierlich optimierten Betriebsführung von Heizungsanlagen auf digitaler Basis lassen sich Störungen und Ineffizienzen erkennen und vermeiden beziehungsweise zeitnah anpassen. Ein weiterer Schritt, um wertvolles Potenzial für einen klimaneutralen Gebäudebestand zu heben.

Quelle

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