Deutsche Energie GmbH: Warum günstig doch teurer werden kann

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Kurz vor Jahresende hat es viele Geschäftskunden kalt erwischt: Am vorletzten Arbeitstag vor Weihnachten kündigte die Deutsche Energie GmbH (DEG) auf ihrer Website an, dass sie die Versorgung ihrer Kunden mit Strom und Erdgas zum 22. Dezember 2018 einstellen muss. Hintergrund ist, dass die DEG gegenüber mehreren Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern in Zahlungsverzug geraten war, woraufhin diese die Zusammenarbeit aufkündigten. Damit war die DEG nicht mehr in der Lage, ihre zirka 50.000 Kunden zu beliefern und musste am 27. Dezember Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Für Immobilienverwalter, die Lieferverträge mit der DEG abgeschlossen haben, bedeutete das, dass sie – noch vor dem guten Rutsch ins neue Jahr – mit ihren bei der DEG unter Vertrag stehenden Lieferstellen in die Ersatzversorgung des örtlichen Grundversorgers rutschten. Die meisten Verwalter hat die Information aufgrund der Feiertage erst spät erreicht. Sie sind unsicher, welche Auswirkungen das hat, was zu tun ist und wie die Energieabrechnung nun genau erfolgt.

Bekanntlich sind die Ersatzversorgungstarife teuer, sodass nicht unerhebliche Mehrkosten drohen. DEG-Kunden sollten daher möglichst schnell Kontakt mit Energieanbietern aufnehmen, um sich eine Energieversorgung zu marktgerechten Konditionen zu sichern und Mehrkosten in Grenzen zu halten. Bei Verträgen ohne Leistungsmessung kann der Wechsel zu einem neuen Anbieter auch bis zu sechs Wochen rückwirkend erfolgen, sodass sich die Ersatzversorgung umgehen lässt. Bei Kunden mit Leistungsmessung, sogenannten RLM-Kunden, ist der Wechsel rückwirkend nicht möglich. Er bedarf eines größeren Vorlaufs, sodass der Wechsel in der Regel erst bis zu vier Wochen nach Beauftragung stattfinden kann.

Bei Kennern der Energiebranche hält sich die Verwunderung darüber, dass mit der DEG ein weiterer großer Anbieter, der sich vor allem im Gewerbekundenbereich als Günstig-Anbieter positioniert hatte, in die Insolvenz geschlittert ist, in Grenzen. Wer jeden Preiskampf mitgeht, um große und vielleicht auch prestigeträchtige Kunden zu gewinnen, verhält sich hochspekulativ. Risiken, die sich durch die Marktbewegungen an den Energiebörsen ergeben, können bei einem solchen Kundenportfolio schnell existenzgefährdend werden – wenn bei der Angebotserstellung nicht nachhaltig marktnah kalkuliert wird, wenn die kontrahierten Mengen nicht im Vorfeld eingedeckt und Risiken nicht eingepreist werden, die sich durch Abweichungen bei den Abnahmemengen, durch Witterungseinflüsse und andere Faktoren ergeben können. Die Leistungsfähigkeit eines Energieanbieters manifestiert sich eben genau darin, diese Beschaffungsrisiken sorgfältig zu managen und keine Spekulation zu betreiben, deren Kosten am Ende zu Lasten des Kunden gehen können. Auch die Zusammenarbeit mit renommierten Vorlieferanten, die über eine exzellente Bonität verfügen, macht einen Energielieferanten zu einem verlässlichen Partner seiner Kunden.

Im Ergebnis müssen die Risiken durch Marktentwicklungen soweit minimiert werden, dass sie keine Durchschlagskraft auf die wirtschaftliche Stabilität des Energieversorgers haben können – und damit nicht auf den Kunden zurückfallen können. Wenn der Markt – wie in 2018 geschehen – zu lange nicht dagewesenen Höhenflügen abhebt, wird die Luft eng für jene Anbieter, die kein solides Risikomanagement verfolgen. Und für die Kunden können die Günstigpreise am Ende trotz mehrjähriger Fixpreisvereinbarung teuer werden. Weil sie durch Insolvenz ihres Anbieters nicht nur in die Ersatzversorgung fallen und möglicherweise zu spät reagieren. Sondern vor allem auch deshalb, weil die Chance, die ihnen ein günstigeres Marktniveau in der Vergangenheit bot, möglicherweise verspielt ist und sie sich nun bei einem deutlich höheren Marktpreisniveau vorzeitig einen neuen Versorger suchen müssen. Das sollte das aktuelle Fallbeispiel lehren.

Linda Madir Leiterin Vertrieb der Montana Energieversorgung GmbH & Co. KG
Foto: Timo Klostermeier/Pixelio.de

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