Restaurierung des historischen Gebäudekomplexes New Holland

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1703 von Kaiser Peter dem i. gegründet, gilt St. Petersburg heute als nördliche Hauptstadt Russlands und eines der größten Kulturzentren des landes. Mitten im historischen Stadtzentrum – gelegen auf einer insel – befindet sich mit dem Gebäudekomplex New Holland eine echte Sehenswürdigkeit. Derzeit werden am Objekt Sanierungsarbeiten an den Ziegelfassaden und Uferstraßen durchgeführt, um die Gebäude auf eine zeitgemäße Nutzung auszurichten. Alle Restaurierungsmaßnahmen stützen sich auf bewährte Verfahren und Techniken und erfolgen unter strenger Einhaltung der Baudenkmalschutz-Anforderungen. Zum Einsatz kommen dabei zahlreiche Produkte von Remmers.

Im einstigen Gefängnisgebäude ging es darum, das historische Mauerwerk sichtbar zu halten und die Steine dennoch vor dem Verfall zu schützen. Hier wurden die Wandflächen verfestigt.

Der riesige Komplex New Holland mit insgesamt sechs Gebäuden ist auf einer künstlichen, zirka 7,4 Hektar großen und dreieckigen Insel gelegen – direkt an der Verbindung von Kryukov- und Admiralteysky-Kanal mit dem Fluss Moyka. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden dort zunächst hölzerne Lagerhäuser zur Lagerung von Schiffbau-Hölzern errichtet. Aufgrund der hohen Brandgefahr wurden diese später durch Steinbauten ersetzt. So entstand ein imposantes Gebäude-Ensemble in Kalk-Lehmziegelbauweise mit rötlichem Verblendmauerwerk an den Fassaden. Die Gebäudesockel wurden teils mit Granitplatten, teils mit Putilov-Kalkstein verkleidet. Im Laufe der Jahre wurden die Gebäude von New Holland immer wieder auf unterschiedliche Weise und teils mehrfach restauriert sowie durch An- und Neubauten ergänzt.

Mit dem Ziel, das Gelände wieder in das wirtschaftliche Leben von St. Petersburg zu integrieren, begann im Jahr 2010 die ganzheitliche Neuentwicklung von New Holland. So entstand die Idee, auf dem Areal einen multifunktionalen Kultur- und Geschäftskomplex entstehen zu lassen. Nachdem zunächst der Abriss aller Gebäude diskutiert wurde, entschloss sich der Bauherr New Holland Development schließlich zu Erhalt und Sanierung des gesamten Ensembles, inklusive des stark beschädigten ehemaligen Schmiede-Gebäudes. Die Restaurierung der historischen Ziegelfassaden – die erste Phase ist 2015 gestartet – sollte dabei unter Aufsicht des Komitees für staatliche Kontrolle, Nutzung und Schutz von historischen und kulturellen Denkmalen St. Petersburg und in Übereinstimmung mit den Normen sowie Richtlinien zum Schutz von Baudenkmalen mit nationaler Bedeutung erfolgen. Schon Mitte 2015 wurden in diesem Zuge auch die Remmers Fachplanung und das Bernhard Remmers Institut für Analytik hinzugezogen und mit intensiven Analysen im Vorfeld der Restaurierungsmaßnahmen beauftragt.

Ohne Dach und komplett verfallen: die ehemalige Schmiede vor der Sanierung

| Detaillierte Analysen im Vorfeld

Im Mittelpunkt der Sanierung standen das ehemalige Gefängnisgebäude, die Schmiede, das einstige Haus des Inselkommandanten sowie drei der historischen Lagerhäuser. Um sich ein umfassendes Bild der Schäden zu machen, führte auch das Projektinstitut Georekonstrukzija (Fachplaner für Geotechnik und komplizierte Konstruktionen im Hoch- und Tiefbau) gemeinsam mit dem Berater Professor Orlowitsch detaillierte Schadensanalysen von Bauteilen und Baustoffen durch. Dies erwies sich aufgrund des Alters und der Heterogenität der Bausubstanz als äußerst aufwendig. Auf dieser Basis wurden in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten – vom Bauherrn bis zur Denkmalschutzbehörde – die entsprechenden Instandsetzungstechnologien und Restaurierungsverfahren für die einzelnen Gebäude erarbeitet.

An den stark salzgeschädigten Mauerwerksflächen wurden Entsalzungskompressen eingesetzt

| Umfangreiche Schäden an den Gebäuden

Bei der Bestandsanalyse zeigte sich: Alle Gebäude wiesen sowohl im Innenbereich als auch an Fassade und Dach teils starke Beschädigungen auf. Als Problem entpuppten sich vor allem die stark durchfeuchteten Ziegelflächen. Darüber hinaus wurden unter anderem zahlreiche Schäden am Mauerwerk und an den Verschalungen der Sockel konstatiert. Zum Beispiel waren an vielen Stellen Verluste an den Steinoberflächen und des Mauermörtels zu verzeichnen. Dazu kamen umfangreiche Verschmutzungen und nicht mehr funktionsfähige Abdichtungen. Nicht zuletzt stellten die Experten ein stark versalzenes Mauerwerk, ein zerstörtes Mischmauerwerk (Ziegel und Putilov Kalksteinplatten) sowie mehrlagige Farbanstriche auf dem Sichtmauerwerk fest. Sergej Stojko, Baustellenleiter beim Generalunternehmer BIK, erklärt: „Die Hauptaufgabe bestand darin, die Reste des Deckmaterials zu erhalten, vorherige Reparaturschichten zu entfernen und unprofessionelle Restaurierungsarbeiten zu beheben. Dabei haben wir uns vor allem auf die Sanierung des Mauerwerks, der Sockel und der Verkleidungen konzentriert.“

Die Gebäudesockel des ehemaligen Gefängnisses wurden fachgerecht abgedichtet.

| Fachgerechte Restaurierungsarbeiten an Gebäudesockeln

Vor Beginn der Trocknungs- und Entsalzungsarbeiten am Ziegelmauerwerk wurden die Gebäude zunächst gegen das Eindringen weiterer Feuchtigkeit geschützt. Dazu erhielt die besonders stark beschädigte Schmiede eine komplette Einhausung. Im ersten Schritt wurden die stark geschädigten Fundamente des Gefängnis-Gebäudes aufwendig instand gesetzt. Hierbei setzten die Verarbeiter der Fachfirma Wlad-Mira-Stroj auf Systemlösungen von Remmers. Für die Ver kieselung des Fundaments und die was serabweisende Isolierung sorgt das Verkieselungskonzentrat Kiesol. Der multifunktionale und sulfatbeständige Spachtel WP Sulfatex Rapid wurde zur Egalisierung des Fundaments und als Basis für die eigentliche Bauwerksabdichtung verarbeitet. Diese Aufgabe ist prädestiniert für MB 2K, eine flexible, mineralische, polymermodifizierte Dickbeschichtung. Zum Schutz der abgedichteten Fundamente kam der Dränsystemschutz DS Protect zur Anwendung.

| Aufwendige Instandsetzung des Ziegelmauerwerks

Die Restaurierung des Ziegelmauerwerks erwies sich aufgrund des unterschiedlichen Zustands und der heterogenen Beschaffenheit – hier waren teils Steine mit normalem Brandgrad, aber auch verbrannte Ziegel vorhanden – als besondere Herausforderung. Dazu erklärt Wladimir Grintsewisch, Technischer Direktor der Fassaden- und Instandsetzungsfirma SZDK: „Mit der Rotec-Wirbelstrahlreinigung haben wir zunächst die Verschmutzung an Ziegeloberflächen, Kalkstein und Granit entfernt. Als Reinigungs-granulat wurde dabei reiner Glasquartz mit einer Körnung von 0,1 bis 0,2 Millimetern eingesetzt – zusätzlich fraktioniert sowie calciniert und bestehend aus durchsichtigen, abgerundeten Quarzkörnern.“ Zum fachgerechten Auffüllen der Steinverluste setzten die Verarbeiter von SZDK im Anschluss partiell auf den Restauriermörtel. Die unterschiedlichen physikalischen und mechanischen Charakteristika des Ziegel mauer werks erforderten auch bei der Verfestigung und der Wahl des Verfestigungsmittels eine besondere Herangehensweise. Für die Reduzierung des bauschädigenden Salzgehalts kamen zunächst Entsalzungskompressen zum Einsatz. Auf Flächen mit einem Salzgehalt kleiner als 1 Prozent wurde dann eine Steinverfestigung mit den Remmers-Produkten KSE 100, KSE 300 und KSE 300 E durchgeführt. Um eine möglichst stimmige farbliche Angleichung der Steinoberflächen zu erreichen, wurde abschließend die Lasur Color LA Historic verwendet.

| Ursprüngliche Ästhetik des Komplexes wiederhergestellt

Das ehemalige Gefängnisgebäude nach der umfangreichen Sanierung

Mit dem Ergebnis der Restaurationsarbeiten zeigt sich Julia Kutscherenko, Generaldirektorin beim Investor New Holland Development, hochzufrieden: „Alle Arbeiten wurden in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten mit Respekt vor der Handwerkskunst vergangener Zeiten sehr feinfühlig durchgeführt und tragen so dazu bei, die Schönheit des New-Holland-Komplexes zu erhalten und den Zeitgenossen ganz neu darzustellen.“

Fotos: A.Savin; Remmers/Dmitriy Fufaev Fufaev; Remmers/Tuchinskij

 

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