Großwärmepumpen machen lokale Wärmequellen für die Fernwärme nutzbar. Sie entziehen Flusswasser, gereinigtem Abwasser oder industrieller Abwärme Energie und heben deren Temperatur mithilfe von Strom auf das Niveau des Wärmenetzes. Für Immobilienunternehmen wird damit eine Frage wichtiger: Wie verändert sich die Wärmeversorgung ihrer Standorte?
Projekte erreichen neue Größenordnungen
In Stuttgart-Münster erzeugt eine Großwärmepumpe seit April 2024 bis zu 24 Megawatt Fernwärme aus dem Kühlwasserablauf der Abfallverwertung. In Köln-Niehl entsteht eine Flusswasser-Wärmepumpe mit 150 Megawatt Leistung. Ab 2028 soll sie Wärme aus dem Rhein in das Kölner Fernwärmenetz einspeisen. Solche Vorhaben zeigen, dass die Technik zunehmend zur Versorgung ganzer Stadtgebiete eingesetzt wird.
Über die Wirtschaftlichkeit entscheidet jedoch nicht allein die Leistung. Wichtig sind die ganzjährige Verfügbarkeit und Temperatur der Wärmequelle sowie ihre Entfernung zum Netz. Abwasser fällt vergleichsweise kontinuierlich an; industrielle Abwärme muss langfristig gesichert sein. Bei Flusswasser begrenzen unter anderem Wasserführung, Temperatur und ökologische Anforderungen die Nutzung.
Netztemperaturen bestimmen die Effizienz
Je größer der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und benötigter Fernwärme, desto höher fällt der Strombedarf aus. Niedrige Vor- und Rücklauftemperaturen verbessern deshalb die Effizienz. Hier können auch Gebäudeeigentümer ansetzen: Hydraulisch abgeglichene Heizungsanlagen und richtig eingestellte Übergabestationen helfen, unnötig hohe Rücklauftemperaturen zu vermeiden.
Für die Kosten zählt zudem der Strombezug. Bei einer Jahresarbeitszahl von drei benötigt die Anlage rechnerisch eine Kilowattstunde Strom für drei Kilowattstunden Wärme. Hinzu kommen Kosten für Investition, Wartung und Quellerschließung. Eine kostenlose Wärmequelle bedeutet daher noch keine günstige Fernwärme.
Speicher schaffen Spielraum
Wärmespeicher können Erzeugung und Verbrauch zeitlich entkoppeln. Dadurch lässt sich die Wärmepumpe stärker in Stunden mit günstigen Strompreisen betreiben. Weitere Erzeuger sichern Spitzenlast und Ausfälle ab. Entscheidend ist das Zusammenspiel im gesamten Versorgungssystem.
Für Bestandshalter folgt daraus: Kommunale Wärmepläne und konkrete Ausbauprojekte sollten frühzeitig in die Heizungsstrategie einfließen. Eine geplante Großwärmepumpe ersetzt aber keine verbindliche Anschlusszusage. Vor Entscheidungen bleiben Anschlusstermin, Leistung, Preisgestaltung und Übergangslösung zu klären.

