Eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus braucht ausreichend elektrische Anschlussleistung. Wird diese erst nach Auswahl der Anlage geprüft, drohen Mehrkosten und Verzögerungen. Ein Whitepaper des Fraunhofer IEE zeigt, wie stark die Bewertung zwischen Netzgebieten schwanken kann. Die Untersuchung wurde von Daikin initiiert und gefördert.
Berechnung entscheidet über Mehrkosten
Netzbetreiber prüfen, welche Leistung Haushalte, Wärmepumpe, Heizstab und weitere Verbraucher gleichzeitig benötigen könnten. Dabei unterscheiden sich die Berechnungsverfahren. Pauschale Sicherheitsannahmen können deutlich höhere Werte ergeben als Verfahren, die reale Messdaten berücksichtigen.
Ein Modellfall macht die Folgen sichtbar: Ein Haus mit acht Wohnungen verfügt über einen Anschluss mit 50 Kilowatt; geplant ist eine Wärmepumpe mit 20 Kilowatt elektrischer Leistung. Ohne elektrische Warmwasserbereitung führt die DIN-basierte Bewertung im Beispiel zu einer notwendigen Kapazitätserhöhung. Die Zusatzkosten können bis zu 5.100 Euro betragen. Nach einer messdatenbasierten Werksnorm reicht dagegen der vorhandene Anschluss aus.
Anschlusskosten und Baukostenzuschuss
Zu unterscheiden sind die Kosten für Arbeiten am Hausanschluss und der Baukostenzuschuss für das vorgelagerte Netz. Auch die Grenzen für pauschal abgerechnete Standardanschlüsse variieren. Muss das Netz individuell verstärkt werden, können deutlich höhere Kosten und längere Vorlaufzeiten entstehen.
Warmwasser gesondert betrachten
Die Angabe „elektrische Warmwasserbereitung“ genügt für eine belastbare Lastberechnung nicht. Durchlauferhitzer, Kleinspeicher und Wärmepumpensysteme haben unterschiedliche Leistungsanforderungen. Ebenso sollte der elektrische Heizstab getrennt berücksichtigt werden. Kommen Ladepunkte hinzu, steigt die Bedeutung einer gemeinsamen Planung aller größeren Verbraucher.
Lastmanagement kann Reserven erschließen
Ein Energiemanagementsystem kann steuerbare Verbraucher koordinieren und die maximale Leistung am Netzanschlusspunkt begrenzen. Thermische Speicher helfen, Wärmebedarf und Strombezug zeitlich zu entkoppeln. Ob dadurch eine Verstärkung vermieden werden kann, ist mit Fachplanung und Netzbetreiber abzustimmen.
Wohnungsunternehmen sollten Anschlussleistung, Hauptsicherung, Warmwassertechnik und Lastprofile ihrer Gebäude frühzeitig erfassen. Verfügbare Messdaten oder eine Lastgangmessung können die Bewertung verbessern. Vor der endgültigen Auftragsvergabe sollten Berechnungsmethode, Kosten, technische Anforderungen und Zeitplan schriftlich geklärt sein.

