Kostensicherheit bei Bauprojekten – Einflussfaktoren im Blick

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Von Hannes Spielbauer |

Bereits in frühen Planungsphasen wie Vor- und Entwurfsplanung werden Baukosten-Erfahrungswerte benötigt, um aus vergleichbaren Bauaufgaben aus der Vergangenheit die Kosteneinflüsse für die aktuelle Projektaufgabe zu bewerten. Wichtige Baukosten-Einflussfaktoren, wie die aktuelle Marktlage, besondere Kosteneinflüsse aus der Nutzung (zum Beispiel Barrierefreiheit), der zur Verfügung stehende Bauraum in Großstädten (frei oder beengt) oder auch der gewünschte Energiestandard (nach der Energieeinsparverordnung, KfW-Bankengruppe oder Passivhausstandard) werden aufgrund der gebauten und dokumentierten Realität hinsichtlich deren Kostenauswirkungen transparent.

Bei der Nachverdichtung von Wohnraum in Großstädten kommen insbesondere Aufstockungen und Anbauten in Frage. Auch dies stellt besondere Anforderungen an Planer, Investoren und Wohnungsbaugesellschaften. Ebenso sind aber auch die stadtplanerischen Auswirkungen zu berücksichtigen, wie die Anzahl der zur Verfügung stehenden Kindergarten- und Schulplätze sowie die erforderlichen Freianlagen, welche ebenfalls wirtschaftlich geplant und realisiert werden müssen.

Für die deutliche Ausweitung der Aktivitäten im sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau ist es erforderlich, dass die zur Verfügung stehenden Mittel wirtschaftlich eingebracht werden und zugleich kostengünstig gebaut wird. Das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern GmbH (BKI) unterstützt Architektur- und Planungsbüros, aber auch Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften und Investoren mit seiner Expertise. Die Einrichtung wurde 1996 von den Architektenkammern aller Bundesländer gegründet. Die Gründung geht auf eine Initiative der Bundesarchitektenkammer aus dem Jahr 1994 zurück. Die BKI-Datenbank weist mittlerweile rund 3000 realisierte Neu- und Altbau- Objekte über alle Gebäude- und Freianlagenarten auf.

BKI-Baukosten-Regionalfaktoren für Deutschland: Je dunkler, umso teurer sind die Baukosten.

BKI-Baukosten-Regionalfaktoren für Deutschland: Je dunkler, umso teurer sind die Baukosten. – Grafik: BKI; Hintergrundbild: Sashkin / Fotolia

Bericht der Baukosten-Senkungskommission

Auch der Bericht der Baukostensenkungskommission im Rahmen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit greift bei der Bewertung der Entwicklung der Baukosten auf die Daten des BKI zurück. Das von Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) ins Leben gerufene Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen verfolgt das Ziel, die Voraussetzungen für den Bau und die Modernisierung von Wohnraum in guter Qualität vorzugsweise im bezahlbaren Marktsegment zu verbessern und wirkungsvoll zur Angebotserweiterung in den Ballungsgebieten mit Wohnraummangel beizutragen. Dabei sollen Kostentreiber beim Neubau und der Modernisierung von Wohngebäuden identifiziert werden.

Im Bericht der Baukosten-Senkungskommission wurden die Kosten für Baukonstruktionen (Kostengruppe 300) und Technische Anlagen (Kostengruppe 400) für Mehrfamilienhäuser (mittlerer Standard) der BKI-Datenbank ausgewertet. Die Baukostensteigerung, die auf der Grundlage der Gebäudedaten des BKI ermittelt werden konnte, ist deutlich höher ausgefallen, als die Entwicklung des Baupreisindex in dem gleichen Zeitraum.

Große Unterschiede

So beläuft sich dieser Anstieg der Preise für Bauleistungen nach dem Baupreisindex im Zeitraum 2003 bis 2012 auf lediglich 22 Prozent. Die Baukosten für Gebäude mit mittlerem Qualitätsstandard haben sich jedoch im vergleichbaren Zeitraum mit einem Plus von 46 Prozent wesentlich stärker entwickelt, im hohen Qualitätssegment sogar um 63 Prozent.

Auch diese Beobachtung auf Basis der BKI-Daten bestätigt die Erfahrungen der Wohnungsbauakteure. Die hohen Differenzen zwischen Baukosten und -preisen erklären sich damit, dass in den Indexreihen des Statistischen Bundesamtes die Erhöhung der Qualitätsanforderungen an Gebäude nicht ausreichend abgebildet werden können.

Die BKI-Datenbank versteht sich als wichtiger Beitrag für die Bewertung der Wirtschaftlichkeit und Baukosten- Entwicklung im Wohnungsbau und zugleich als Beitrag zur Kostensicherheit von der Planung bis zur Realisierung. Als Einrichtung der Architektenkammern wird das tatsächliche Baugeschehen objektiv und neutral für alle Baubeteiligten in der Bundesrepublik Deutschland dokumentiert.

  • Potrait von Hannes Spielbauer

    Foto: BKI

    Seit 2002 Geschäftsführer beim Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) in Stuttgart

    Nach seinem Gesellenbrief als Zimmerer (in Stuttgart, 1982) studierte der gebürtige Straubinger Holztechnik an der Fachhochschule Rosenheim. Hier folgte der Abschluss zum Diplom-Ingenieur Holztechnik. Das Studium der Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule München schloss er als Diplom-Wirtschaftsingenieur ab. Danach arbeitete Spielbauer als Produktmanager bei Weka-Baufachverlage für Bausoftware und Printmedien (AVA- und Baukostenprogramme) in Augsburg (1993 bis 1999). Danach war der heute 53-jährige Marketing- und Vertriebsleiter beim BKI.

  • Gründung des Baukosteninformationszentrums Deutscher Architektenkammern (BKI) im Jahre 1996 mit den Gesellschaftern:

    • Architektenkammer Baden-Württemberg
    • Bayerische Architektenkammer
    • Architektenkammer Berlin
    • Brandenburgische Architektenkammer
    • Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen
    • Hamburgische Architektenkammer
    • Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen
    • Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern
    • Architektenkammer Niedersachsen
    • Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
    • Architektenkammer Rheinland-Pfalz
    • Architektenkammer des Saarlandes
    • Architektenkammer Sachsen
    • Architektenkammer Sachsen-Anhalt
    • Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein
    • Architektenkammer Thüringen
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Quelle

news immoclick24.de

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