VDI 4062 Blatt 1: Evakuierungen systematisch vorbereiten
Seit Juli 2026 liegt die überarbeitete VDI 4062 Blatt 1 „Evakuieren von Personen im Gefahrenfall – Grundlagen“ vor. Sie ersetzt die Ausgabe VDI 4062:2016-04 und richtet sich an Arbeitgeber sowie Betreiber, die Beschäftigte, Besucher und Kunden schützen müssen. Die technische Richtlinie unterstützt dabei, betriebliche Evakuierungskonzepte zu erstellen, regelmäßig zu prüfen und weiterzuentwickeln. Sie konkretisiert Anforderungen aus Arbeitsschutz und betrieblicher Gefahrenabwehr, ist aber nicht mit einem Gesetz gleichzusetzen.
Im Mittelpunkt steht ein nachvollziehbarer Prozess: Zunächst werden mögliche Gefährdungen und die Bedingungen im Objekt erfasst. Dazu gehören bauliche Gegebenheiten, Personenzahlen, Flucht- und Rettungswege sowie verfügbare Kräfte der Gefahrenabwehr. Anschließend sind Verantwortlichkeiten, Alarmabläufe, technische Hilfsmittel, Sammelstellen und die Dokumentation festzulegen. Die Planung soll unterschiedliche Szenarien berücksichtigen – neben Bränden beispielsweise Gefahrstofffreisetzungen, Naturereignisse oder den Ausfall wichtiger Infrastruktur.
Oberstes Schutzziel ist die Selbstrettung aller Personen im Gebäude. Wo sie nicht möglich ist, muss das Konzept die Fremdrettung und die Schnittstellen zu Feuerwehr oder anderen Einsatzkräften gesondert abbilden. Übungen dienen dazu, die Wirksamkeit zu kontrollieren. Ergebnisse und erkannte Schwachstellen sollen dokumentiert und in die Fortschreibung des Konzepts übernommen werden.
Neu ist die stärkere Verbindung der Funktionen von Evakuierungs- und Brandschutzhelfern. Bestehende Strukturen des betrieblichen Brandschutzes können dadurch gezielter für die Evakuierungsorganisation genutzt werden. Ergänzend enthält die Richtlinie ein Umsetzungsbeispiel, eine Checkliste zur Ermittlung der erforderlichen Helferzahl sowie Muster für Unterweisung und Benennung.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit (DGWZ)

