In der Tradition der Platte – aber ökonomisch und ökologisch zeitgemäß

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Lange galten die Plattenbauten der ehemaligen DDR als städtebauliches Relikt ohne
Zukunft. In Kremmen (Brandenburg) zeigt
aber die dortige Wohnungsbaugesellschaft
(WOBA) an einem Neubauprojekt, wie die
ökologische und ökonomische Entwicklung
solcher Quartiere architektonisch aussehen
kann: Die WOBA erweiterte den vorhandenen Bestand von drei „Platten“ um einen
Neubau mit zwölf Wohneinheiten. Der zitiert
zwar die architektonischen Stilmittel seiner
traditionsreichen Nachbarn, bietet gleichzeitig aber die aktuellen Wohnstandards und ist
trotz konventioneller Bauweise durch eine
für solche Objekte noch außergewöhnliche
Wärmepumpen-Hybrid-Lösung für die
Wärme- und Warmwasserbereitung ressourcenschonend.
Die Kleinstadt Kremmen liegt etwa 40 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Berlin-Mitte
in Höhe von Oranienburg mitten im Havelland. Zu weit entfernt von der Metropole, um
noch im Speckgürtel verortet zu werden.
Aber nicht so ländlich, dass – wie andernorts – ein signifikanter Rückgang der
Einwohnerzahlen zu verzeichnen wäre. Eher
im Gegenteil. Entsprechend strategisch entwickelt die WOBA ihren Bestand: Substanzerhalt steht im Vordergrund, flankiert durch
behutsame Stadterneuerung und -entwicklung. Perspektivisch jedoch immer mit dem
Blick, für den sich abzeichnenden zusätzlichen Wohnraumbedarf schon heute eine
tragfähige Lösung zu bieten.

Dazu gehörte beispielsweise die haustechnische und energetische Sanierung der drei
Plattenbauten an der Ruppiner Chaussee,
also Bestandsaufwertung. „Sie sind“, sagt
WOBA-Geschäftsführer Diplom-Ingenieur
Eckhard Kuhn, „wie alle unsere Objekte eigentlich immer vollvermietet. Fluktuation gibt
es kaum.“ Was genauso für die Wohnform
wie für die Nachbarschaft spricht – und für
Kuhn Grund genug war, bei der anstehenden Weiterentwicklung des Quartiers an die
gewachsene Bebauung im Verbund direkt
anzuknüpfen.
| ressourcen schonen
Spätestens beim näheren Hinsehen wird an
den beiden in Kaskade geschalteten Außeneinheiten für die im Haustechnikraum installierte Wärmepumpe deutlich, wie weit sich
der Geschossbau in der Tradition der Platte
im Verständnis der Investoren, der Wohnungsbaugesellschaft als Betreiber und
letztlich der Mieter selber als attraktives
Wohnmodell weiterentwickelt hat: Obwohl
nur auf EnEv-Standard in Massivbauweise
(Kalksandstein) auf Betonbodenplatte mit
Perimeterdämmung errichtet, wird der
Kremmener Neubau mit 740 Quadratmeter
Wohnfläche komplett über eine ressourcenschonende Hybridheizung aus Luft/WasserWärmepumpe und Gas-Brennwertheizung
versorgt – während in den Nachbarblöcken
ganz klassisch Gas-Brennwertanlagen die
Komplettlast tragen.
Für Kuhn aber hat die Investition in die Hybridtechnologie entscheidend etwas mit
ökologischer Verantwortung zu tun, und mit
der entsprechenden Grundhaltung seiner
Mieter: „Es ist für uns einfach selbstverständlich, dass wir bei unseren Neubaumaßnahmen auch einen Beitrag zum sparsamen
Umgang mit den Ressourcen leisten, also
möglichst weitgehend auf regenerative
Energien setzen. Das erwarten im Übrigen
mittlerweile auch unsere Kunden.“
Gleichzeitig, so der WOBA-Geschäftsführer,
seien aber auch hier immer die Gebote der
Wirtschaftlichkeit und der Versorgungssicherheit zu beachten: „Durch die Hybridtechnik können wir die Wärmelasten fast
komplett regenerativ über die Luft/WasserWärmepumpe abdecken. Für die komfortable Warmwasserversorgung auf dem hygienisch notwendigen Temperaturniveau von
60/55 Grad ist wiederum Gas-Brennwerttechnik die effizienteste Lösung.“ Wobei mit
40 kW Spitzenleistung aber auch immer
noch genug Reserve bleibt, um bei besonders hoher Wärmeanforderung über den
1000-Liter-Multifunktionsspeicher AllStor
plus zusätzlich die Heizung zu unterstützen.
Ein temperaturbezogenes Schichtladesystem sorgt dabei für eine optimale Aus –
nutzung der über die Wärmepumpe
FlexoTherm exclusive und/oder das GasBrennwertgerät EcoTec plus sowie die Trinkwasserzirkulation und den Heizungsrücklauf
zugeführte Energie.
| Geringe nebenkosten
Für die Mieter zahlt sich dieses Konzept aus.
Nach ersten Schätzungen der WOBA liegen
die Mietnebenkosten in dem vor Jahresfrist
bezogenen Objekt bei nur knapp zwei Euro
pro Quadratmeter, davon weniger als einer
für die Wärmeerzeugung. Natürlich auch,
weil statt der früheren Klassiker in der Wärmeverteilung (wie Einrohrheizung mit frei liegenden Steigesträngen sowie überdimensionierte Plattenheizkörper) hier natürlich ein
zeitgemäßes Zwei-Rohr-Heizsystem mit Flächenheizung für die Wärmeverteilung sowie
eine Zirkulation mit Stichleitung auf der
Etage für die Warmwasserbereitstellung installiert wurden.
Ein Interview mit SHK-Meister Matthias
Guse zum Thema Wärmepumpen im Geschossbau findet man auf immoclick 24.de

Quelle

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