Einsatz und Nutzen von Batteriespeichern

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Multitalent Batterie

Die Kombination von Eigenverbrauch mit Regelenergie machen Batteriespeicher wirtschaftlicher. Batteriespeicher werden in Eigenheimen und in der Wohnungswirtschaft vor allem für die Steigerung des Eigenverbrauchs von Photovoltaikstrom verwendet. Im Sommer und in der Übergangszeit wird dabei der Erzeugungsüberschuss, der tagsüber nicht direkt verbraucht werden kann, in dem Batteriespeicher zwischengelagert und in der Nacht dann wieder abgegeben. Im Winter produziert die Photovoltaik-(PV)-Anlagen hingegen deutlich weniger Strom, der zum Großteil direkt verbraucht werden kann. Der Batteriespeicher wird daher in dieser Jahreszeit kaum genutzt.

Mit PV-Anlagen erreicht ein Batteriespeicher daher in der Praxis nur rund 200 bis 240 Vollzyklen pro Jahr. Das bedeutet etwas vereinfacht, dass der Batteriespeicher nur an 200 bis 240 Tagen im Jahr einmal vollständig be- und in der Nacht wieder entladen wird. An rund 125 bis 165 Tagen wird er hingegen praktisch nicht oder nur in sehr geringem Umfang genutzt. Dieser Umstand – neben den noch relativ hohen Investitionskosten – ist ein wesentlicher Grund, warum Speicherung von PV-Eigenstrom in vielen Fällen heute noch unwirtschaftlich ist – und warum die Speicherung von Strom aus Blockheizkraftwerken deutlich attraktiver ist.

Das (offene) Solbat-Anwendernetzwerk für Energiespeicher hat daher untersucht, welche Möglichkeiten es gibt, die Wirtschaftlichkeit durch eine Kombination von mehreren Speicherfunktionen zu erhöhen. Für das Solbat-Anwenderforum im März wurden acht Unternehmen eingeladen, ihre Lösungen und Geschäftsmodelle vorzustellen. Zwei der Lösungen werden im Folgenden näher erläutert.

Doppeltes Einkommen durch Regelenergie

Die erste Lösung nutzt den Batteriespeicher, um zwischen September und März, also in der Zeit, wo der Batteriespeicher fast nicht oder nur sehr gering genutzt wird, negative Sekundärregelleistung anzubieten. Hierzu wird der Batteriespeicher mit anderen Speichern zu einem Schwarm oder zu einem virtuellen Regelleistungskraftwerk vernetzt, um die Mindestanforderungen für die Marktteilnahme zu erfüllen. Der Betreiber des Speichers, also hier der private Eigenheimbesitzer oder gewerbliche Liegenschaftsbesitzer, muss hierfür zusätzlich zu dem Batteriespeicher eine Steuerbox des Anbieters kaufen. Über die Steuerbox werden dann Steuersignale an den Speicher gesendet, der je nach individuellen Ladezustand des Speichers 2,5 bis acht Kilowattstunden (kWh) Regelenergie aus dem Netz aufnimmt. Optional kann auch eine Heizpatrone in das System integriert werden. Über die Heizpatrone wird dann die Regelenergie direkt für die Warmwasserbereitung genutzt. In der Summe soll der Betreiber rund 1000 kWh Strom für den Speicher sowie zirka 2500 kWh Strom für die Wärmerzeugung bei 40 bis 100 Aufrufen pro Jahr kostenlosen erhalten.

Bei der zweiten Lösung wird der Speicher ebenfalls zu einem virtuellem Regelleistungs – Kraftwerk vernetzt. Allerdings nutzt der Anbieter hier nicht nur die Speicherkapazität, sondern auch die Leistung des Batteriespeichers, um am Primärregelleistungsmarkt teilzunehmen. Im Gegensatz zum Sekundärregelleistungsmarkt, wo Anbieter einzeln sowohl positive (also Energie ins Netz einspeisen) wie auch negative Regelenergie (also Energie aus dem Netz aufnehmen) vermarkten können, muss man beim Primärregelleistungsmarkt immer beides, also negative wie auch positive Leistung gesichert zur Verfügung stellen, und zwar sehr schnell und für relativ kurze Zeiten, also für Sekunden bis Minuten.

Der Anbieter hat daher ein völlig neues Geschäftsmodell entwickelt. Statt den Batteriespeicher zu verkaufen, bietet er dem Eigenheim- und Liegenschaftsbesitzer nur einen „Speicherungsdienst“ für Eigenstrom an. Er selbst bleibt Betreiber des Batteriespeichers und hat über eine Kommunikationsverbindung immer vollen Zugriff auf die Speichersteuerung. Weiterhin dimensioniert der Anbieter den Batteriespeicher mehr als doppelt so groß im Vergleich zu Batteriespeicher, die nur für den Eigenverbrauch genutzt werden würden. Denn die primären Erlöse werden mit dem Batteriespeicher am Regelleistungsmarkt erzielt. Je größer die Kapazität und die Leistung, desto weniger Batteriespeicher muss der Anbieter aggregieren, um die Anforderungen zur Teilnahme am Primärregelleistungsmarkt zu erfüllen.

Viele Vorteile

Für den Eigenheim- oder Liegenschaftsbesitzer hat dieses Geschäftsmodell vielfältige Vorteile: Statt selbst die Investitionskosten aufzubringen muss er nur eine vergleichsweise geringe Einmal- oder wahlweise Jahresgebühr bezahlen. Auch ist er von jeglichen technischen Risiken befreit und erhält die Speicherung des Eigenstroms für 20 Jahre garantiert. Durch die höhere Kapazität kann der Besitzer zudem deutlich mehr Eigenstrom zwischenspeichern im Vergleich zu einem eigenen Batteriespeicher mit der üblichen Kapazität. Besonderer Vorteil dabei: Der Besitzer erhält aus dem Speicher exakt die gleiche Strommenge, die er einspeichert. Die Speicherungsverluste, die in der Praxis bis zu 20 Prozent der eingespeicherten Energie betragen, trägt der Betreiber.

In der Praxis ist das Konzept allerdings technisch sehr aufwendig. Ein eigener Zähler muss installiert werden und vielfältige regulatorische Bedingungen der Netzbetreiber, die die Regelleistung ausschreiben, sind zu berücksichtigen. Aber der Anbieter ist optimistisch in 2015 die Präqualifizierung abschließen und am Regelleistungsmarkt anbieten zu können.

Sicher und ökologisch

Das Solbat-Anwenderforum hat aufgezeigt, dass es bereits vielfältige Ansätze gibt, um Batteriespeicher für private Eigenheim- und gewerbliche Liegenschaftsbesitzer wirtschaftlich attraktiver zu machen. Mit diesen Lösungen können in naher Zukunft auch Objektstrom- und Mieterstrommodelle mit Batteriespeichern und Blockheizkraftwerken sowie PV-Anlagen wirtschaftlich dargestellt werden. Eine sichere, ökologische und vor allem langfristig preisstabile Eigenversorgung wird damit möglich und zunehmend attraktiver.

Solbat Ist ein offenes Anwendernetzwerk für die Entwicklung und Erprobung von profitablen Geschäftsmodellen mit Energiespeichern. Das Netzwerk wurde 2013 gegründet und unterstützt die erfolgreiche Markteinführung durch Innovationsstrategien für neue Märkte, die Vernetzung von Marktpartnern sowie mit Werkzeugen für die Umsetzung. Partner sind Unternehmen aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, Technologie und Dienstleistungen, Energieversorgung, Wohnungswirtschaft, Gewerbe, Industrie und Kommunen.

© Foto: S. Consult

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Dr. Harald Schäffler
Der gebürtiger Bremer (50) ist seit mehr als zehn Jahren im Innovationsbereich der Energiewirtschaft tätigt. Am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg war er als Marketingverantwortlicher tätig und baute den Bereich Smart Metering auf. 2008 gründete er aus dem Fraunhofer-Institut die Forschungsgruppe für Energie- und Kommunikationstechnologien EnCT GmbH aus und verantwortete die Produktentwicklung sowie die Akzeptanz- und Wirkungsforschung bei vielen nationalen und internationalen Forschungs- und Industrieprojekten im Bereich Smart Energy. 2011 gründete er die Beratungsfirma Schäffler Consult mit den Schwerpunkten Business Model Design und Innovationsmanagement für Unternehmen in der Energiewirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 

Dieser Beitrag wurde im „Standpunkt 2015 – Die Energiewende in der Immobilienwirtschaft“ veröffentlicht. Die Sonderpublikation finden Sie als Download im Shop: » immoclick24.de – Shop

Quelle

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