Begrüntes Spielhaus im Plaswijckpark – Gründacharchitektur Like-A-Leaf

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Haus im Hügel

„Like-A-Leaf“ heißt die außergewöhnliche Gebäudearchitektur des neuen Spielhauses des Plaswijckparks am Hillegersberg in Rotterdam, denn diese ist „Wie-ein-Blatt“ in die Landschaft eingebunden. Neben der ausgefallenen Form sorgt insbesondere die Begrünung des rund 1000 Qaudratmeter großen und bis zu 55 Grad geneigten Dachs für die Zusammenführung des Gebäudes mit der natürlichen Umgebung. Angepasst an die unterschiedlichsten Dachneigungen, kamen objektgerecht geplante Dachbegrünungssysteme von Zinco, Nürtingen, zum Einsatz  – mit Garantieanspruch über zehn Jahre auf den gesamten Dachaufbau.

Die Tradition des Plaswijkparks geht auf fast ein ganzes Jahrhundert zurück, denn dieser wurde bereits 1923 vom Unternehmer CNA Loos als „Teegarten Hillegersberg“ gegründet. Dank Rosengarten, Käfigen mit Vögeln und Affen, Spielplatz mit Karussell, Ruderbootverleih und Ponykutsche entwickelte sich der familiäre Stadtpark bereits in den 30er-Jahren zum Magnet für tausende Besucher jedes Jahr. In dieser Zeit wurde auch die Stiftung Plaswjickpark ins Leben gerufen, um den Fortbestand des Parks zu sichern und diesen stets weiter auszubauen. Mitte der 70er-Jahre nahm die Konkurrenz durch andere Freizeiteinrichtungen stetig zu, sodass der Plaswijckpark in finanzielle Schwierigkeiten kam. Strukturelle Zuschüsse durch die Stadt Rotterdam sichern seither seine Weiterentwicklung. Der Park ist heute in die drei großen Themenbereiche „Wandelwijck“ (Wanderviertel), „Dierenwijck“ (Tierbereich) und „Speelwijck“ (Spielviertel) gegliedert. In letzterem befindet sich das neue Spielhaus Like-A-Leaf. Mit seiner Eröffnung am 8. April 2013 ist der Plaswijckpark nun auch an regnerischen oder kalten Tagen besonders attraktiv. Schon im August konnte der 200.000 Besucher begrüßt werden.

Grenzen zwischen Landschaft und Gebäude verschwimmen

Bereits in der Vergangenheit wurde beim Bau jeder neuen Attraktion ein grüner Ausgleich an einer anderen Stelle im Plaswijckpark geschaffen. Im Falle des Spielhauses findet die Kompensation an Ort und Stelle statt, denn das grüne Dach ist Teil des neuen Designs. Like-A-Leaf entspringt der Idee des Architekturbüros Ssse OvO Associates Architects aus Amsterdam und lässt die Grenzen zwischen Landschaft und Gebäude verschwimmen. Like-A-Leaf ist eine außergewöhnliche Dachkonstruktion aus sehr vielen kleinen Teilflächen, bei dem die Kanten des „Blatts“ in das umliegende Gelände reichen. Durch die Begrünung nimmt das Gebäude die Form eines Hügels an und wird damit selbst zum physischen Teil des Parks. Daher nennt sich das neue Spielhaus auch „Huis in de Heuvel“, also „Haus im Hügel“. Der vordere Gebäudeteil über dem Gastronomiebereich wird von einer Glas- und Stahlkonstruktion gebildet. Ihre Oberflächenstruktur ist ebenfalls gefaltet Wie-ein-Blatt. Die dortige Pergola ist mit verschiedenen Kletterpflanzen bewachsen und schafft damit Verbindung sowohl zur grünen Dachlandschaft als auch zur Parklandschaft. Like-A-Leaf reagiert auf die unterschiedlichen Jahreszeiten, indem die Größe des Innenraums entsprechend wachsen oder schrumpfen kann. Während der Sommermonate ist die Halle beidseitig geöffnet und damit Bestandteil des Freibereichs, durch den auch eine Hauptroute des Parks verläuft. In der Wintersaison wird die Halle geschlossen und bietet 225 Quadratmeter mehr Innenfläche. Der gesamte Innenraum präsentiert sich im Übrigen dem Besucher gleichsam Like-A-Leaf, denn die Stahlträger der Dachkonstruktion bleiben stets von innen sichtbar als Nervenstruktur des Blatts.

Links: Das Rasendach ist von fast allen Seiten begehbar, allerdings im Bereich der Gauben durch Geländer begrenzt. Rechts: In den Steildachbereichen sorgt die Pflanzengemeinschaft Steinrosenflur für dichten Bewuchs und ein farbiges Bild. (Fotos: Zinco/Van der Tol)

Links: Das Rasendach ist von fast allen Seiten begehbar, allerdings im Bereich der Gauben durch Geländer begrenzt. Rechts: In den Steildachbereichen sorgt die Pflanzengemeinschaft Steinrosenflur für dichten Bewuchs und ein farbiges Bild. (Fotos: Zinco/Van der Tol)

Zwischen den Stahlträgern kamen tragende Holz-Hohlkastensysteme aus unbehandeltem Kiefernholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zum Einsatz. Das Holz wirkt feuchtigkeitsregulierend, indem es abhängig von der Raumfeuchte Wasserdampf aufnimmt beziehungsweise abgibt. Ähnlich ist die Situation auf dem begrünten Dach. Hier wird Niederschlag ebenfalls gepuffert und durch Verdunstung allmählich der Natur zurückgegeben. Das Gründach und die sonnenbeständigen Reben auf den Pergolen halten die Räume in den Sommermonaten auch auf natürliche Weise kühl. Das Gründach funktioniert also auch Wie-ein-Blatt, schützt die Dachabdichtung durch den Ausgleich von Temperaturschwankungen und trägt zur ökologischen Nachhaltigkeit bei.

Dauerhaft funktionssichere Lösung

Viel länger als die spätere Bauausführung dauerte bei dieser ausgefallenen Idee zu Like-A-Leaf natürlich die Planungsphase, beginnend im Jahre 2009. Das gilt nicht nur für das Gebäude als solches, sondern auch für den Bestandteil Dachbegrünung. Der Generalunternehmer Fraanjie B.V. betraute die Dachdeckerfirma Mastum Daksystemen aus De Meern mit der Ausführung der Dachabdichtung und Van der Tol B.V. aus Amsterdam mit diesem speziellen Begrünungsauftrag. Der erfahrene Ausführungsbetrieb Van der Tol B.V. arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten mit Zinco-Dachbegrünungssystemen. Gerade bei solch ausgefallenen Dachsituationen ist die Fachkompetenz und Erfahrung vom Systemhersteller unerlässlich für eine objektspezifische und damit dauerhaft funktionssichere Lösung. So übernahm Zinco Benelux B.V. die detaillierte Gründachplanung, bei der infolge der vorhandenen unterschiedlichen Dachneigungen (insgesamt 35 Teildachflächen von 7 bis 55 Grad) letztlich zwei verschiedene Dachbegrünungssysteme zum Einsatz kamen. Auf den gesamten Dachaufbau inklusive Begrünung erhielt die Stiftung Plaswjikpark durch die Ausführungsbetriebe eine „Leven-op-daken“-Garantie über den Zeitraum von zehn Jahren. Der Bauherr profitiert von geplanter Sicherheit. Einige kleinere Dachbereiche wurden nicht begrünt, sondern mit grünen Bitumenbahnen abgedichtet und mit grünen Netzen versehen, sodass sich Kletterpflanzen in die Dachbegrünung integrieren werden. Im März 2012 startete der Bau des Gebäudes, die Ausführung der Begrünung folgte im Frühjahr 2013.

Platten aus Recycling-Hartschaum

Auf Grundlage der fachgerecht ausgeführten, wurzelfesten bituminösen Dachabdichtung folgten abhängig von der Dachneigung die passenden Systemaufbauten zur Begrünung. In den Teildachflächen mit Dachneigungen bis 25 Grad „startete“ der Zinco-Systemaufbau „Schrägdach“ mit der Verlegung der Bewässerungs- und Schutzmatte BSM 64, die mit zirka 7 Litern je Quadratmeter eine besonders hohe Wasserspeicherkapazität aufweist. Darauf folgten die schubabtragenden Dränageelemente Floraset FS 75. Diese 1 mal 1 Meter großen und 75 Millimeter hohen Platten aus Recycling-Hartschaum verfügen über unterseitige Dränagekanäle und weisen oberseitig stabile Noppen auf, die sich mit dem Substrat verzahnen und damit dessen Lagesicherheit gewährleisten. Passend für die gewünschte Begrünung wurde die Systemerde „Rasen“ aufgebracht. In den Teildachflächen mit Neigungen über 25 Grad kam der Systemaufbau „Begrüntes Steildach“ zum Einsatz. Auf die Bewässerungs- und Schutzmatte BSM 64 folgten hier Georaster-Elemente in der Größe von 0,54 mal 0,54 Metern. Diese bestehen aus Polyethylen, besitzen einen verstärkten, die Schubkräfte abtragenden Mittelsteg und wurden mittels integrierter T-Profile durch einfaches Ineinanderstecken kraftschlüssig miteinander verbunden. Die verwendete, besonders leichte Systemerde „Steinrosenflur-Leicht“ wurde in die etwa 100 Millimeter hohen Georaster-Elemente mit minimaler Überdeckung verfüllt. Im Steildachbereich fassen zusätzliche Dachtraufprofile DP 120 die Georaster-Flächen ein und dienen damit zur sicheren Ableitung der auftretenden Schubkräfte in die Dachkonstruktion.

Eine Dachbegrünung ist normalerweise nur bis 45 Grad Dachneigung machbar. Diese Begrünungslösung wurde hier objektspezifisch sogar bis 55 Grad realisiert, da die ganz extreme Neigung lediglich kleinflächig auftrat. Kleine steile Flächen sind für den Spielbetrieb mit Kunstrasen belegt. Von Vorteil bei diesen besonderen Dachgegebenheiten waren die Größe und das Gewicht der einzelnen Dränageelemente, die sich mittels Baukran problemlos aufs Dach befördern und variabel auf den Teildachflächen verlegen und ineinanderstecken ließen. Aufwendiger in der Bauausführung gestaltete sich der Transport des Substrats auf die Dachflächen. Dieses wurde in Big-Bags angeliefert, per Kran aufs Dach befördert und von Hand verteilt. Die abschließende Bepflanzung zielt auf ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild: Neben den weitläufigen Rasenflächen ziehen insbesondere in den steileren Teildachflächen verschieden blühende Sedumarten, ausgebracht in Form von fertig kultivierten Pflanzenmatten, die Blicke auf sich.

Spiel und Spaß auf dem „Hügel“

Das Dach als  grüner „Hügel“ ist von zwei Seiten begehbar und dient als eigenständige Spiel- und Erlebnisfläche und zum Herumtollen im Gras. Ausgereifte Systemtechnik macht es möglich. Es sind kleinere Hütten, ein Outdoor-Kletterbereich und eine Aussichtsterrasse auf dem Dach gestaltet. Jede Menge Spaß gibt es natürlich auch im Huis in de Heuvel: Im zweigeschossigen Innenbereich dürfen Kinder auf 1600 Quadratmeter alles, was zu Hause streng verboten wäre: auf dem Bett Trampolin springen, mit Badeschaum spielen oder durch Geheimgänge kriechen. Auf der teilüberdachten Theaterbühne treten Bauchredner auf, und allerlei weitere Verlockungen warten in, auf und rund um den grünen Hügel auf die Besucher. Die Stiftung Plaswijckpark hat hiermit eine neue Attraktion für den Park geschaffen, die nicht nur den Freizeitwünschen gerecht wird, sondern mit der außergewöhnlichen Gebäudearchitektur Like-A-Leaf insbesondere ökologischen und landschaftlichen Gesichtspunkten in hohem Maße Rechnung trägt.

Heidrun Eckert, Zinco GmbH
Peter Koop, Zinco Benelux e.V.

www.zinco.de
www.zinco-greenroof.com

Bautafel

Like-A-Leaf, Dachbegrünung des Spielhauses
im Plaswijckpark Rotterdam, Niederlande

  • Bauherr: Stiftung Plaswijckpark, Ringdijk 20, 3053 KS Rotterdam, Niederlande
  • Architekt: Ssse OvO Associates Architects, Bethaniëndwarsstraat 6a, 1012 CB Amsterdam, Niederlande
  • Generalunternehmer: Aannemingsbedrijf Fraanje B.V., Postbus 1, 4456 ZG Lewedorp, Niederlande
  • Baujahr: 2013
  • Dachfläche: rund 1000 Quadratmeter Dachbegrünung
  • Dachneigung: 7 bis 55 Grad
  • Begrünungsaufbau: Zinco-Systemaufbau Schrägdach mit Floraset FS 75 und Systemaufbau Begrüntes Steildach mit Georaster
  • Systemlieferant: Zinco Benelux B.V., Postbus 9092, 1006 AB Amsterdam, Niederlande
  • Ausführung Begrünung: Van der Tol B.V., Postbus 9349, 1006 AH Amsterdam,Niederlande
  • Dachdecker: Mastum Daksystemen, Veldzigt 57, 3454 PW De Meern, Niederlande

Quelle

Gebäude Grün

GebäudeGrün, (GG) 1992 als Dach + Grün gegründet, wird inzwischen von drei europäischen Dachbegrünungsverbänden – Deutschland (FBB), Schweiz (SfG) und Österreich (VfB) als Verbandszeitschrift genutzt.

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