Auch die allerletzte Meile zählt

0

Die Zukunft der Datenübertragung ist die Glasfaser – auch wenn das Netz in Deutschland nur zögerlich wächst. doch mit dem Ausbau durch die Netzbetreiber allein ist es nicht getan: Was im Keller ankommt, muss auch im haus entsprechend schnell weiterverbreitet werden. Während Bauherren gut beraten sind, Vorsorge zu treffen, können im Bestand Nachrüstungen in Sachen Elektroinstallation nötig werden.

Soll ein Mehrfamilienhaus oder eine Wohnanlage vollständig mit Glasfaser versorgt werden, sind Arbeiten an der Elektroinstallation unumgänglich.

Die Experten sind sich einig: Für die Zukunft der Datenübertragung – Stichwort: schnelles Internet – führt kein Weg am Ausbau der Glasfaser-Netze vorbei. In ihrer Digitalisierungsstrategie hat die Bundesregierung die flächendeckende Verfügbarkeit einer gigabitfähigen Infrastruktur bis 2025 als übergreifende Zielsetzung ausgegeben. Dabei verlässt sich der Gesetzgeber in erster Linie auf die Privatwirtschaft, die er mit passenden Förderprogrammen unterstützt. Allerdings lag die Bundesrepublik laut einem europaweiten Ranking aus dem Jahr 2016 in puncto Fiber-to-the-Home (FttH) gerade mal auf Rang 27 – äußerst dürftig für ein Land, das sich bei der Digitalisierung eigentlich eine Vorreiterrolle wünscht. Aktuell ist der 2012 von der Deutschen Telekom in zwölf Städten gestartete Glasfaserausbau so weit vorangeschritten, dass rund 2,1 Millionen deutsche Haushalte Zugang zu echtem Glasfaserinternet haben.

| Nur Ftth ist echte Glasfaser

Mit „echter Glasfaser“ sind FttH-Lösungen gemeint, bei denen die Glasfaserleitung mindestens bis zum meist im Keller eines Gebäudes befindlichen Hausanschlusses reicht. Nicht gemeint sind hingegen DSL- oder VDSL-Anschlüsse, die zwar partiell Glasfaserleitungen nutzen, bei denen aber die so genannte letzte Meile von der Vermittlungsstelle zum Gebäude mit klassischen kupferbasierten Telefonkabeln realisiert ist. Der Übertragungsgeschwindigkeit sind hier klare Grenzen gesetzt, da hilft auch Vectoring oder Supervectoring nur bedingt. Die Lösungen der Kabelnetzbetreiber, die auf einen Mix aus Glasfaser und Koax-Kabeln (Hybrid Fiber Coax, kurz: HFC) setzen, gelten ebenfalls nicht als echtes Glasfaserinternet – auch wenn die so erreichbaren Datenübertragungsraten mit mehreren Hundert Megabit pro Sekunde deutlich über den DSL-Geschwindigkeiten von meist maximal 16 Megabit pro Sekunde liegen. Zum Vergleich: Mit herkömmlicher Glasfaser lassen sich Werte von bis zu 40 Gigabit pro Sekunde erreichen und einem Forscherteam in England ist es mit einem verbesserten Glasfaserkabel gar gelungen, den Rekordwert von über 73 Terabit pro Sekunde aufzustellen. Kurz: Was die erreichbaren Geschwindigkeiten und damit die Zukunftsfähigkeit angeht, stellt die Glasfaser alle anderen Technologien um Längen in den Schatten.

| Wie sieht’s aus im Haus?

Auch wenn der FttH-Ausbau bislang nur mäßig fortgeschritten ist: Glasfaser wird kommen und in den meisten Immobilien hinter dem Hausanschluss auf den Flaschenhals einer in die Jahre gekommenen Elektroinstallation treffen – für zukunftsfähiges Internet dürfte in der Regel also hausinterner Handlungsbedarf bestehen. Und bei Neubauten sollte die passende Infrastruktur bereits jetzt mitgedacht werden, selbst wenn die GlasTelekomfaserkabel aktuell noch nicht mal bis zum nächsten Verteilerkasten verlegt sind. Für Einfamilienhäuser mag es noch Lösungen geben, für die keine aufwändige Neuverkabelung nötig ist: Beim überwiegend in Bayern aktiven Anbieter M-Net beispielsweise verlegt der Servicetechniker vom nach dem sogenannten Hausübergabepunkt im Keller befindlichen Glasfaser-Abschlussgerät ein LAN-Kabel ins Erdgeschoss, von wo aus dann ein Router die einzelnen Endgeräte mit schnellem Internet versorgt – per Kabel, WLAN oder DECT. Soll jedoch mehr als nur eine Wohneinheit versorgt werden, trägt diese Lösung nicht mehr und es bedarf einer hausinternen Glasfaserverkabelung. Anders gesagt: Auch die allerletzte Meile vom Keller in die Wohnung muss dann via Glasfaser überbrückt werden.

| Umsetzung nicht ohne den Netzbetreiber

Als Branchenprimus hat sich die Telekom hierzu grundlegend Gedanken gemacht und diese 2016 in einem als Wissensspeicher an Hochschulen, Architekten, Städte, Kommunen, Gemeinden und Bauherren gerichteten Ratgeber ausführlich dokumentiert. Auch wenn die Zielgruppe und der etwas sperrige Titel „Zielbild zur Installation von zukunftsfähigen Glasfasernetzen in Gebäuden“ nahelegen, wie programmatisch die Sache noch ist, zeigt diese Empfehlung aus Sicht des Netzbetreibers dennoch Schritte auf, wie Glasfasergebäudenetze in Neubauten sowie Rekonstruktionsmaßnahmen zukünftig zu planen und einzubauen sind. Schritte, die im konkreten Fall nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Bauherren-Service der Telekom unternommen werden sollten. Dieser ist unter der Telefonnummer 0800 33 01903 erreichbar und informiert zudem über regional relevante Regelungen.

Jens Nusser

Fotos: Deutsche Telekom

Quelle

Kommentieren Sie diesen Artikel