An der Glasfaser führt kein Weg vorbei

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Glasfaser bis zum Hausübergabepunkt ist eine feine Sache – allerdings endet die Zuständigkeit der Netzbetreiber dort. Soll es im haus auch schnell weitergehen, ist der Hauseigentümer oder die Verwaltungsgesellschaft gefragt. doch wie sieht es aus in Neubau und Bestand? Wir sprachen mit Stefan Heß, dem IT-Sprecher beim Zentralverband der deutschen Elektro- und informationstechnischen Handwerke. der Diplomingenieur für Kommunikationstechnik ist zudem geschäftsführender Gesellschafter der ANAS Kommunikationssysteme GmbH, einem Fachbetrieb für Informationstechnik aus dem thüringischen Suhl.

Stefan Hess

| Herr Heß, das Dienstleistungsspektrum ihrer Fachbetriebe geht weit über die reine Verkabelung im Haus hinaus. Wer sein bestehendes Gebäude fit machen möchte für Glasfaser-Internet ist bei den E-Handwerken also gut aufgehoben, oder?

Auf jeden Fall! Insbesondere durch die langjährigen Erfahrungen unserer Partnerbetriebe im Bereich der Hausinstallationen existiert ein enorm großer Erfahrungsumfang. Und in den vergangenen Jahren haben sich unsere Partner immer mehr darauf spezialisiert, sämtliche neuen Kommunikations- und Verbindungsmedien in die vorhandene Infrastruktur zu integrieren und die Gebäude ihrer Kundschaft fit für die Zukunft zu machen.

| Im Gebäudebestand dürfte es in der Regel nötig sein, alte kupferbasierte Telefonkabel durch moderne Glasfaserkabel zu ersetzen. Wie sind hier ihre Erfahrungen: Funktioniert die Nachrüstung immer so einfach und mit welchen Kosten ist in etwa zu rechnen?

Mittelfristig führt kein Weg an der Glasfaser vorbei. Dies bringt das Erfordernis mit sich, neue Kabelstrukturen zu installieren oder bestehende alte Kabelwege zu ersetzen. Hierfür gibt es inzwischen vonseiten der Industrie sehr interessante Lösungen, die es erlauben, fertige LWL Systeme ohne zu spleißen neu zu verlegen. Aber auch das Ausziehen alter Kabel bei gleichzeitigem Einbringen neuer Glasfaserkabel ist eine effektive Arbeitsweise – hier wird sich der Markt in Zukunft noch deutlich weiter entwickeln. Generell kann immer davon ausgegangen werden, dass der geringere Platzbedarf eines LWL Kabels gegenüber der altbewährten Kupfertechnik den Verlegeaufwand minimiert. Preislich muss man aktuell mit um etwa 10 bis 20 Prozent höheren Materialkosten rechnen. Wofür man dann aber auch zukunftssichere Technik im Haus hat.

| Und wie sieht es bei Neubauten aus? Raten Sie hier gleich zur Glasfaser oder genügt es derzeit noch, darauf zu achten, dass im Fall der Fälle unkompliziert nachgerüstet werden kann?

Hier gibt es aus meiner Sicht eine klare Aussage: Bitte ab sofort in Glasfasertechnik investieren, alle althergebrachten Medien dienen maximal als Brückentechnologie! Alternativ kann man vielleicht auch darüber nachdenken, den Bauherren einen Mix aus Kupfer und LWL Technik anzubieten. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass in einer gigabitfähigen Gesellschaft kein Weg an der Glasfaser vorbeiführt. Unsere Mitgliedsbetriebe beraten hierzu individuell.

| Zwischen den verschiedenen immobilien gibt es teilweise gewaltige Größenunterschiede – Stichwort: Einfamilienhaus versus Wohnanlage. Macht das einen Unterschied in Sachen Glasfaserinstallation und wie äußert sich der?

Größenunterschiede schlagen sich natürlich im Verlegeaufwand und in den Materialkosten nieder. Wobei die von der Industrie bereitgestellten Technologien den Installationsaufwand minimieren. Auch Leerrohre sind eine Option – sie machen es leichter, neue Kabelsysteme im Nachgang zu verlegen. Was freilich sowohl für den Ein- als auch Mehrfamilienhausbereich gilt.

| Den Netzbetreibern scheint eine vorherige Kontaktaufnahme wichtig zu sein – die Telekom als Marktführer weist ausdrücklich darauf hin. Gibt es hier bei Glasfaseranbindungen Besonderheiten zu beachten und wie läuft die Zusammenarbeit ab?

Natürlich sind den Providern die direkten Kundenbeziehungen sehr wichtig. Allerdings macht es auch hier Sinn, möglichst früh einen Innungsbetriebe mit ins Boot zu nehmen – am besten sobald feststeht, dass ein Glasfaseranschluss verlegt werden soll. Um Hausanschlüsse und die nachgelagerte Gebäudeverkabelung möglichst effektiv zu installieren gibt es beispielsweise eine Kooperation unserer Mitgliedsbetriebe mit der Deutschen Glasfaser. Grundsätzlich muss eigentlich immer nur das providerspezifische Modem beachtet werden, die vorgelagerte Technologie ist genormt und im Sinne des „Open Access“ frei von Produkt- oder Anbieterzwängen.

 

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