Klimaschutz und Energieeffizienz „Hand in Hand“

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Bezahlbar und klimafreundlich

Mit dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 und dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz hat die Bundesregierung im Dezember 2014 ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das erstmals sicherstellt, dass Klimaschutz und Energieeffizienz „Hand in Hand“ gehen. Soweit der Gebäudebereich seinen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz leisten soll, dürfen wir die Wohn- und Baukosten nicht aus den Augen verlieren. Denn Wohnen muss für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar bleiben. Daher haben wir im „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ eine Arbeitsgruppe „Soziales und klimafreundliches Wohnen und Bauen“ eingerichtet, die sich des Spannungsfelds zwischen den klimaschutzrelevanten Anforderungen an das Wohnen und Bauen einerseits und den Wohn- und Baukosten andererseits annehmen wird. Das neue Umwelt- und Bauressort ist ein wichtiger Treiber der energie- und klimapolitischen Agenda.

Die Betrachtung des Gebäudes ist wichtig für eine erfolgreiche und kosteneffiziente Klimapolitik. Für die langfristigen Energie- und Klimaziele ist sie aber zu eng gefasst. Um das Ziel eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands 2050 zu erreichen, muss ein weitergehender Ansatz verfolgt werden, der das Gebäude, die Quartiere und die Städte – auch mit Blick auf die Mobilität – sowie die Energieversorgung einbezieht. Dies soll mit der „Strategie für klimafreundliches Bauen und Wohnen“ erreicht werden. Ziel ist, einen realistischen, sozial ausgewogenen und machbaren Fahrplan bis 2050 zu entwickeln, der auch die übergeordneten Fragen des Wohnens, der Stadtentwicklung, der Erschließung ländlicher Räume sowie der Herausforderungen des demografischen Wandels berücksichtigt.

Verbraucher motivieren

Bezahlbares und klimafreundliches Wohnen und Bauen müssen keine Gegensätze sein. Wir müssen uns aber auch immer wieder bewusst machen: Um erfolgreich zu sein, brauchen wir die Akzeptanz der Menschen – dies zeigt sich bei den Fragen des energieeffizienten Bauens, Sanierens und des Wohnens ganz unmittelbar. Politische Strategien werden nur aufgehen, wenn wir Energieeffizienz auch als Geschäftsmodell etablieren. Es kommt darauf an, Verbraucherinnen und Verbraucher zu motivieren, vielleicht sogar zu begeistern – dann wird aus Energie- und Klimaschutz ein echter Standortvorteil. Mit dem Aktionsprogramm Klimaschutz und dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz haben wir zwei Maßnahmenpakete beschlossen, die sich am Prinzip der Wirtschaftlichkeit orientieren. Niemand wird mit Ordnungsrecht überfordert. Stattdessen helfen wir dort, wo Effizienztechnologien noch nicht ausreichend marktfähig sind, mit zusätzlichen Förderinstrumenten. Wir setzen auf ein hohes Maß an Freiwilligkeit. Das heißt aber auch: Wir sind auf privates Engagement angewiesen.

Es muss jetzt also darum gehen, Energieeffizienz als Geschäftsmodell zu etablieren. Das bedeutet konkret, zielgruppenspezifische Handlungsfelder für die relevanten Akteure zu erschließen, und zwar mit fundierter Wirtschaftlichkeitsbetrachtung über den gesamten Lebenszyklus der Investition – und falls notwendig mit einer Risikoabsicherung für Investoren. Die Debatten hierzu haben wir angestoßen.

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Eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe des Klimaschutzes ist und bleibt: Effizienz soll sich für Verbraucherinnen und Verbraucher auszahlen. Aktuelle Befragungen haben ergeben: Mangelndes Kapital ist häufig nicht die größte Hürde für Investitionen in Energieeffizienz. Die größte Hürde ist oft der große Aufwand, der mit den Investitionen verbunden wird. Das fängt bereits damit an, dass es so viele komplizierte Fragen zu klären gibt: Welche Heizungsanlage ist die richtige? Sollte die Wärmedämmung verbessert werden? Ist der Einbau neuer Fenster sinnvoll? Was ist mit der Lüftung?

Es folgt die Schwierigkeit, eine vertrauenswürdige, qualifizierte und unabhängige Energieberatung zu finden: Welcher Experte / welche Expertin ist für mich richtig? Woran erkenne ich überhaupt eine Expertise? Wie ist es mit der Gewährleistung? Auch die Vielzahl der Finanzierungs- und Förderoptionen ist schwer zu überschauen.

Die Motivation für den einzelnen Eigentümer, in die energetische Modernisierung nicht nur Geld sondern auch Zeit und Arbeit hineinzustecken, ist also eher gering. Denn auch ein emotionaler Mehrwert für energetische Modernisierung, wie er zum Beispiel für den Bau eines Wintergartens besteht, fehlt bisher.

Wie lässt sich das ändern? Wir brauchen, so auch die Empfehlungen von Unternehmensverbänden und Verbraucherschützern, eine „One-stop-shop“-Lösung für technische und finanztechnische Beratung, also Lösungen „aus einer Hand“. Wir müssen Verbraucherinnen und Verbrauchern in ihren Entscheidungen stärken und ihnen dabei helfen, Risiken und Komplexität ihrer Entscheidungen zu reduzieren. Passgenaue Angebote holen die Menschen da ab, wo sie stehen – ohne sie zu überfordern. So verstanden verliert das Thema Energieeffizienz auch die bisweilen beklagte soziale Schärfe.

Mit den Beschlüssen vom Dezember 2014 schreitet die Energiewende weiter voran. Eine Vielzahl auch neuer Initiativen, Instrumente und Maßnahmen sind auf den Weg gebracht. Von der Politik werden jetzt Kohärenz im Handeln und Konsistenz in der Umsetzung erwartet. Dies ist vermutlich die eigentliche Herausforderung der Energiewende – eine komplexe Managementaufgabe in einem sich ständig verändernden Umfeld. Wichtig bleibt, dass wir für technologieoffene Lösungen sowie Offenheit für Innovation und zwar nicht nur in technischem Sinne werben.

Die Umwelt- und Klimaschutzziele für die Zeit ab 2050 klingen weit weg. Sie sind aber keine „Zukunftsmusik“, sondern die Option für die Gestaltung einer nachhaltigen, lebenswerten und zukunftsfähigen Gesellschaft. Wir müssen heute entscheiden und handeln! Das gilt in besonderer Weise für langfristige Investitionsfelder – also auch für die Stadtentwicklung und den Wohn- und Gebäudebereich.

Florian Pronold, Staatssekretär BMUB

Foto: © Deutscher Bundestag

Florian Pronold
Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (seit Dezember 2013)

Der 42-jährige gebürtige Passauer sitzt seit 2002 für die SPD im Bundestag. SPD-Landesvorsitzender Bayern (seit Juli 2009). Zunächst Ausbildung zum Bankkaufmann (Sparkasse Deggendorf ). Rechtswissenschaften (erstes und zweites Staatsexamen) Universität Regensburg. Rechtsreferendar in München, Deggendorf, Regensburg. Von Juli 2002 bis November 2013 arbeitete er als Rechtsanwalt.

 

Dieser Beitrag wurde im „Standpunkt 2015 – Die Energiewende in der Immobilienwirtschaft“ veröffentlicht. Die Sonderpublikation finden Sie als Download im Shop: » immoclick24.de – Shop

Quelle

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