Bezahlbare Mieten mit mehr Komfort

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Im Kölner Stadtteil Ossendorf wird ein gesamtes Wohnviertel aus den 1930er Jahren nach und nach abgerissen und mit Neubauten ersetzt. Ziel ist es, den Charakter der alten Siedlungsbauten zu erhalten, gleichzeitig mit den neuen Bauten den Wohnkomfort und den Wohnraum zu erhöhen sowie die Mieten bezahlbar zu gestalten. Mit viel Verständnis füreinander und Hand in Hand meistern Verantwortliche und Mieter die herausfordernde Situation.

Der Stadtteil Ossendorf im Kölner Norden ist eine einfache Gegend mit vielen langen Gebäuderiegeln. Die meisten Menschen leben hier schon seit Jahrzehnten, haben ihre Kindheit in diesem Stadtteil verbracht und fühlen sich sehr wohl. Die Innenstadt ist mit der Straßenbahn schnell erreichbar und auch die Autobahn ist nicht weit weg. Zu den größten Vorteilen zählen hier jedoch die bezahlbaren Mieten, denn auch in Köln ist der Mietermarkt sehr angespannt und es herrscht ein akuter Mangel an günstigem Wohnraum.

Nach über 80 Jahren – Zeit zu handeln

Seit 2016 werden in Ossendorf Siedlungsbauten bestehend aus zehn über 100 Meter langen Häuserblocks aus den 1930er Jahren abgerissen und mit Neubauten ersetzt. Die 80 Jahre alten Wohnhäuser mit etwa 300 Wohnungen waren in die Jahre gekommen und nicht mehr zeitgemäß: Sie verfügten über keinen hinreichenden Schall- , Brand- und Wärmeschutz. Außerdem waren nicht alle Wohnungen mit Bädern ausgestattet, sodass die Mieter zum Teil Gemeinschaftswaschräume und Toiletten im Keller nutzen mussten. Geheizt wurde in einigen Wohnungen immer noch mit Kohleöfen, denn Gastherme waren nur partiell eingebaut. Und auch Balkone waren nicht vorhanden. Die alte Substanz war einfach nicht mehr zu gebrauchen.

„Ja“ zum Neubau – mit bezahlbaren Mieten

Somit beschloss „Die Ehrenfelder“, eine Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Wohnungsbaugenossenschaft mit mehr als 4000 Wohneinheiten in Köln und Eigentümer der Siedlungsbauten, die alten Gebäude abzureißen und sie mit neuen zu ersetzen. „Eine Sanierung ist meist teurer und das Ergebnis aufgrund vieler notwendiger Kompromisse nicht unbedingt zufriedenstellend“, begründet Werner Nußbaum, Geschäftsführer der Genossenschaft diese Entscheidung in einem Interview. In 2014 lobte „Die Ehrenfelder“ ein kooperatives Gutachterverfahren mit drei Architekturbüros aus, bei dem Molestina Architekten der erste Preis zugesprochen wurde. Der Abbruch des Wohngebiets erfolgt in insgesamt drei Bauabschnitten, in denen die alten Bauten durch Neubau bis zum Jahre 2021 ersetzt werden. Die Schaffung von preiswertem Wohnraum steht bei diesem Neubauprojekt im Vordergrund, sodass die alten Bewohner die Chance haben, nach einem vorübergehenden Umzug in ihr Wohngebiet zurückzukehren.

Die Tiefgaragenzufahrten wurden mit Wandkunstbildern gestaltet.

Hand in Hand – auch mit den Mietern

Das Projekt zeichnet sich durch die besonders enge Zusammenarbeit aller Beteiligten aus. Als ausführendes Unternehmen war die Bauwens Construction, vertreten durch Ralf Schwietering, schon sehr früh in die Planung eingebunden. „Der Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft hat im Vorfeld lange mit vielen Mietern persönlich gesprochen und Mieterversammlungen organisiert, sie wurden in den gesamten Prozess eingebunden. Die Genossenschaft hat die Mieter beim Umzug unterstützt, sei es mit Geld für den Umzug oder mit einem Umzugsunternehmen“, erinnert sich Ralf Schwietering. Man wollte vermeiden, dass die angestammten Bewohner verdrängt werden. Die Mieter des ersten Bauabschnitts wurden während der Bauarbeiten in anderen Genossenschaftswohnungen untergebracht, einige auch in solchen, in denen sie bleiben konnten.

Besseres und günstiges Wohnen

Die neuen Bauten entsprechen dem EnEv Standard und sind in monolithische Bauweise errichtet. Ziel war es, die Wohnungen der neuen Genossenschaftssiedlung den heutigen Ansprüchen anzupassen, deshalb gibt es nun auch Wohnungen in Größen zwischen 38 und 111 Quadratmetern, mit ein bis fünf Zimmern und funktionalen Grundrissen. Zum modernen Wohnkomfort gehören jetzt auch zum Teil Aufzüge, Fußbodenheizungen, großzügige Badezimmer mit Platz für eine Waschmaschine und Sonnenschutz in Form von Fensterläden sowie zu den Grünzonen ausgerichtete Balkone. Bestanden die früheren Bauten nur aus zwei Geschossen mit Satteldach, existieren nun drei bis vier Geschosse mit einem Flachdach, „auch um mehr Wohnraum zu schaffen, um zu verdichten“, so Professor Juan Pablo Molestina, Inhaber von Molestina Architekten, dem verantwortlichen Architekturbüro. Denn die Genossenschaft hat nicht das Ziel, eine Luxuswohnanlage zu errichten, sondern möglichst viel bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Den alten Geist bewahren

„Der Genossenschaft ist das Zusammengehörigkeitsgefühl sehr wichtig und die Architektur der alten Siedlungsbauten hat genau das ausgedrückt. Deshalb greifen wir bei unserem Entwurf auf das alte Siedlungskonzept zurück“, erklärt Pablo Molestina. Die Gebäuderiegel stehen fast an der gleichen Stelle wie die Bauten vorher, Fluchtlinien und Straßennamen bleiben ebenso wie die Höhe der Häuser unverändert. Auch die Garten- und Rasenflächen zwischen und vor den Häuserzeilen versuchen die Verantwortlichen weitgehend zu erhalten. Es wurden sogar einige alte Bäume umgesetzt. „Jedoch war es neben der Bewahrung des alten Geistes gleichzeitig die Aufgabe, den Bewohnern das Gefühl zu vermitteln, das jeder seine eigene Nische innerhalb der Siedlung findet: Die Zeilen ergeben die Grundstruktur, jede Straße bekommt allerdings auch durch Farbe ihre eigene Atmosphäre und Identität. Was aus der Luft wie eine große Struktur aussieht, nimmt der Fußgänger als Anreihung verschiedener Straßen und Hofräume wahr“, ergänzt Pablo Molestina.

Mit Farbe individuell gestalten

Die Fassaden weiterer Wohnblocks des ersten Bauabschnitts sind in Sienagelb gestaltet. Um die Garten- und Rasenflächen zwischen und vor den Häuserzeilen weitgehend zu erhalten, ließ die Wohnungsbaugenossenschaft sogar einige alte Bäume umsetzen.

Dabei spielt vor allem die farbige Gestaltung der Fassaden eine große Rolle: „Die Häuserzeile an der stark befahrenen Rochusstraße bildet die Kante der Siedlung. Sie ist in Rot gestaltet – eine Farbe, die sonst in der Siedlung nicht zu finden ist, die uns als Grenzmarkierung sehr angemessen erschien und gleichzeitig auch Bezug nimmt auf Nachbarbauten. Nur die in Graublau gehalten Eisdiele bildet eine Zäsur an der roten Fassade“, erklärt Molestina. Die Fassaden der dahinter liegenden Wohnblocks des ersten Bauabschnitts sind in Sienagelb, das zum üppigen Grün der Straßen passt, gestaltet. Für die Fassaden der sich noch im Bau befindenden Blocks ist unter anderem auch Graublau als sehr ruhige und kühle Farbe vorgesehen. Die Fassaden zu den Innenhöfen sind in Weiß gehalten und ziehen die Häuserblocks als eine soziale Einheit zusammen. Auf diese Weise werden Lebendigkeit und Identität der einzelnen Bereiche der Siedlung innerhalb des großen Maßstabs gefördert, denn die Zeilen sind zum Teil über hundert Meter lang.“ Realisiert wurde dies mit dem Oberputz Stucasol von Keimfarben. „Mit einem Arbeitsgang war es möglich, die Oberflächen farbig zu gestalten, ohne noch einmal nachzustreichen. Vom Arbeitsablauf ist das sehr angenehm“, erklärt Ralf Schwietering und fügt hinzu: „An einem 100 Meter langen und drei Etagen hohen Gebäuderiegel haben wir 2500 Quadratmeter Fassadenfläche mit Putz ausgestattet.“

Optimistisch in die Zukunft

Schon jetzt ist deutlich erkennbar: Die Neubauten geben dem Viertel ein ganz neues Gesicht. „Der erste Bauabschnitt ist nach 18 Monaten und mit etwa 20 Millionen Euro Kosten fertig gestellt, beim zweiten sind wir nun im Rohbau“, resümiert Ralf Schwietering. Der dritte startet direkt im Anschluss. Im ersten Bauabschnitt wurden 138 Wohnungen in drei Wohnblocks realisiert, in die viele ältere Mieter des zweiten Bauabschnitts eingezogen sind. Die Hälfte davon ist öffentlich gefördert. Ebenso sind ein Eiscafé und eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke entstanden. Durch die moderneren Planungen der Wohnungsbaugenossenschaft wird die Zahl der Wohnungen im gesamten Bauvorhaben von etwa 300 auf 433 steigen und auch der Mietpreis konnte im ersten Bauabschnitt für heutige Kölner Marktverhältnisse moderat gehalten werden. Aber nicht nur deshalb dürften die ersten Mieter der neuen Wohnungen sehr zufrieden sein: Denn mit Fußbodenheizung, eigenem Badezimmer, Sonnenschutz und Balkon hat sich auch der Wohnungskomfort deutlich verbessert.

Dr. Alexandra Nyseth

Bautafel

Bauherr: „Die Ehrenfelder“ Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft eG, Köln, www.die-ehrenfelder.de
Planung: Molestina Architekten, Köln, www.molestina.de
Ausführung: Bauwens GmbH & Co. KG, Köln, www.bauwens.de
Produkte Keimfarben: Keim Stucasol und Keim Contact Plus Grob, www.keim.com

Bildquelle: KEIMFARBEN

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