Energieeffizienz in der Denkmalpflege

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Energieeffizienz in der Denkmalpflege – ein Gegensatz, so könnte man meinen. Dr. Diana Wiedemann vom Architekturbüro Grundmann und Wiedemann beschäftigt sich als Architektin und Energieberaterin direkt und indirekt über die Stiftung Baukulturerbe intensiv mit diesem Thema und hat uns dazu ein paar grundsätzliche Fragen beantwortet. Mit ihr sprach Helmut König von der Plattform Energieberater-Weiterbildung.

| Frau Wiedemann, warum stellt sich überhaupt die Frage nach einer energetischen Sanierung denkmalgeschützter Gebäude?
Baudenkmale in Deutschland umfassen zirka 3,5 Prozent des Gebäudebestands, das entspricht rund 1 Million Gebäude. Davon sind ein kleiner Teil Gebäude wie Schlösser und Kirchen, die entweder nur kurzzeitig beheizt werden oder sich als Museen mit nur eingeschränkter Nutzung verwenden lassen. Hier ist das Thema Energieeffizienz eher von untergeordneter Bedeutung. Der größte Teil sind Wohngebäude, die beheizbar und gut nutzbar sein müssen. Wenn Unterhaltskosten zu hoch und grundlegende Behaglichkeitskriterien nicht eingehalten werden, ist der Bestand eines solchen Gebäudes gefährdet. Diese Gebäude können dann nicht zu Wohnzwecken genutzt werden und verfallen.

| Warum sind speziell diese Gebäude so wichtig, dass man sich getrennt damit befassen muss 
Es geht nicht nur darum, dass einige wenige als Baudenkmal ausgewiesene Gebäude erhalten werden, sondern vor allem darum, dass diese Gebäude unsere Baukultur darstellen und Hinweise auf Bautechniken und
Wohnformen vergangener Zeiten geben. Zu den etwa 1 Million Gebäuden kommen auch noch Gebäude mit einer sogenannten sonstigen besonders erhaltenswerten Bausubstanz hinzu. Diese machen etwa 8 bis 10
Millionen Gebäude aus. Es sind all jene, die zwar historisch (einer früheren Zeit angehörend), aber nicht denkmalgeschützt sind, weil sie im Lauf der Zeit zu vielen Veränderungen unterworfen waren oder weil der
Bautypus in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde sehr zahlreich vorhanden ist. Doch erst solche Gebäude machen das Erscheinungsbild eines Stadtteils, eines Quartiers oder eines Dorfes aus. Diese Bauten sorgen für die Attraktivität der gebauten Umwelt und schaffen damit auch eine Nachfrage- und Wertsteigerung der Immobilien.

| Wie unterscheidet sich die energetische Sanierung von Baudenkmalen von normalen Altbauten?
Zwei grundlegende Unterschiede gibt es in der Herangehensweise an beide Gebäudetypen: Beim Denkmal sind alle Substanzeingriffe dem Substanzerhalt verpflichtet. Dies bedeutet, dass beispielsweise beim Bauteil
Fenster zunächst zu untersuchen ist, ob die Fenster bauzeitlich sind und ob eine Ertüchtigung – mit welchem Aufwand – überhaupt möglich ist. Auch kann ein Außen- oder Innenputz einen so hohen Denkmalwert
haben, dass die Anbringung von Dämmsystemen auf die Wand nicht möglich oder mit hohen Auflagen verbunden ist. Es gilt also in vielen Fällen nach besonderen Lösungen zu suchen. Da manche Dämmmaßnahmen beim Baudenkmal nicht oder nur eingeschränkt möglich sind, ist die Gebäudeaufnahme mit seinen Baukonstruktionen, -materialien und Schichtdicken besonders wichtig. Dies vor allem deshalb, um abschätzen zu können, wo Wärmebrücken – die oft nicht zu verhindern sind – Schimmelbildung und Feuchteanfall verursachen können. Zum Glück gibt es mittlerweile viele konstruktive Lösungen,
die sich in der Praxis bewährt haben.

| Welche Größenordnung an Einsparpotenzialen – energetisch und in Bezug auf Klimagase – sind bei Baudenkmalen realisierbar?
Bezogen auf den unsanierten Zustand oder mit geringen Veränderungen bis in die 70er oder 80er Jahre sind durchaus Einsparungen beziehungsweise CO2-Minderungen von 40 bis 60 Prozent realistisch. Doch sind die Maßnahmen sorgfältig aufeinander abzustimmen. Ein Heizungstausch zu Niedrigtemperatursystemen wie beispielsweise Wärmepumpen, ist nur bedingt zu realisieren. Wenn die Gebäude bewohnt sind, dann können Flächenheizungen kaum nachgerüstet werden. Im Allgemeinen sind die Einsparpotenziale bei der Endenergie einfacher zu realisieren als bei der Primärenergie, da Solaranlagen – egal ob Photovoltaik oder solarthermisch –
oft nicht zugelassen werden. Wärmepumpen sind wegen der eingeschränkten Anwendbarkeit von  Außenwanddämmungen und den meist fehlenden Flächenheizungen nur bedingt einsetzbar. So sind es oft nur
Pelletheizungen, die eine gute Reduzierung des Primärenergiebedarfs ermöglichen. Es bleiben dann nur Heizsysteme mit fossilen Brennstoffen oder Fern- und Nahwärmenetze übrig.

| Wie geht man am besten bei der energetischen Sanierung von Baudenkmalen vor?
Der erste wesentliche Schritt ist die Bauaufnahme, der für den Erfolg einer Sanierung wichtig ist. Eine schematische Vorgehensweise, wie sie bei Altbauten oft als ausreichend dargestellt wird, reicht nicht aus. Die
Baustoffe mit ihren 8-Werten und den Bauteildicken müssen ermittelt werden, um eine darauf angepasste Dämmmaßnahme zu finden. Wärmebrückenüberprüfungen und – berechnungen gehören zur grundlegenden
Planung – auch ohne, dass diese den WBZuschlag verändern. Solche Projekte verlangen viel Erfahrung und Wissen rund um Bauphysik und Baukultur. Auch der Kontakt mit den Behörden zu den Genehmigungsverfahren ist wichtig. Aber auch wenn der Weg manchmal dornig ist, bleibt nach erfolgreicher Sanierung die Gewissheit, dass man auch in einem denkmalgeschützten Gebäude nicht nur schön, sondern auch behaglich wohnen kann.
Das Interview führte Helmut König für die Plattform www.energieberater-weiterbildung.info. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Wissen in der Energie- und Ressourceneffizienz bei Privat-, Gewerbe- und Industriebauten sowie bei Gebäuden der öffentlichen Hand zu vermitteln. Dazu stehen verschiedene erfahrene Spezialisten für Seminare, Beratungen und Vorträge zur Verfügung. Energieeffizienz im denkmalgeschützten Gebäude ist ein Thema, das oft wenig Beachtung findet. Dr. Diana Wiedemann ist freie Architektin AKBW, freie Innenarchitektin
BDIA und Energieberaterin für Baudenkmale Bafa/Dena.

Foto: Privat

Quelle

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