Bauhauptgewerbe zwischen Umsatzplus und schwächerem Auftragseingang
Das deutsche Bauhauptgewerbe zeigt im Juli 2026 eine gegenläufige Entwicklung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der reale Umsatz 4,6 Prozent über dem Vorjahresmonat. Gleichzeitig ging der preisbereinigte Auftragseingang um 1,9 Prozent zurück. Die Zahl der Beschäftigten stieg binnen Jahresfrist um 1,5 Prozent. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) sieht deshalb trotz laufender Projekte eine fragile Lage: Viele Betriebe arbeiteten noch Bestellungen aus früheren Monaten ab, während neue Impulse fehlten.
Das Umsatzwachstum kam vor allem aus dem Tiefbau. Im Hochbau blieb die Entwicklung schwächer. Besonders der Wohnungsbau konnte das Plus aus dem Juni nicht halten; seine Aufträge sanken im Juli nominal um 3,6 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Umsatz dort laut ZDB ungefähr auf Vorjahresniveau. Im gewerblichen Hochbau ging der nominale Auftragseingang um 2,6 Prozent zurück. Der öffentliche Bau wirkte dagegen stabilisierend: Die Aufträge nahmen nominal um 12,2 Prozent zu, wobei einzelne Großprojekte das Ergebnis mitprägten.
Der Verband fordert für den Wohnungsbau verlässliche Förderbedingungen. Die Sonderförderung für EH-55-Neubauten soll spätestens Ende 2026 auslaufen; zugleich sei die Ausgestaltung der Förderung ab Januar offen. Der ZDB warnt daher vor einer möglichen Förderlücke und schlägt eine Übergangsregelung vor. Potenzial sieht er bei rund 453.000 Wohnungen, die Ende 2025 genehmigt, aber noch nicht begonnen waren. Befristete Zinsvorteile oder Zuschüsse bei zeitnahem Baustart könnten solche Vorhaben mobilisieren.
Für Unternehmen der Immobilien- und Bauwirtschaft bleibt damit die Pipeline entscheidend. Das Umsatzplus beschreibt vor allem die aktuelle Auslastung, der schwächere Auftragseingang weist dagegen auf Risiken für die kommenden Monate hin.
Quelle: Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB)

